In Wahrheit liebe ich meinen Job und weiß, welch Glück wir haben. Ich sehe so viele Menschen, die nicht zu Essen haben, die der Korruption nicht entkommen können und dann komme ich hierher nach Wien und begreife.

Wenn Sie beispielsweise nach Afghanistan fahren, ist Gefahr Bestandteil Ihrer Arbeit?

Natürlich. Es sind gefährliche Länder, aber die UNO hat eine sehr strenge Sicherheitspolitik. Es gibt einen recht guten Sicherheitsschirm. Aber das Risiko ist für all meine Kollegen gleich, auch für jene die in der Drogenprävention und –kriminalität arbeiten. Aber es lauert immer eine Gefahr. Dennoch kann es passieren, wenn man konzentriert in einem Gebiet arbeitet, dass man sie nicht sofort erfasst. Weil eben die Arbeit so anregend und herausfordernd ist.

Ich arbeite mit wunderbaren Menschen. Manchmal ist doch ein Langstreckenflug über den Ozean gefährlicher als im Dschungel von Myanmar zu sitzen. All das ist Teil meines Jobs.

Sie wissen also ganz genau, was Sie in diesen Ländern, abgesehen vom richtigen Essensverhalten und Spezialwissen, tun und nicht tun dürfen?

Die UNO hat Trainingsprogramme, die vom speziellen Fall "wenn man irgendwo angehalten wird" bis zum Thema "das richtige Hotel zu buchen" reichen. Oder was zu tun ist, wenn es zu einer Evakuierung kommt. Aber die Situationen sind nie so, wie sie in Büchern beschrieben werden. Die Grundsatzregel lautet: Vermeide jede Art von Schwierigkeiten.

Dazu gehört sicher eine große Portion an Flexibilität.

Ja. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wo genau mir das passiert ist. In Thailand glaube ich. Die Leute waren freundlich und nett, aber im Hintergrund lief ein großer Protest. Es bildete sich ein Mob. Und ich musste im selben Augenblick handeln und die Situation ermessen.  Eine Bedrohung ist eine Bedrohung.

Ist der Kommunikationsfluss "smooth", oder wie verbürokratisiert ist die UN?

Die Vereinten Nationen sind eine große Maschinerie, eine große Organisation mit den unterschiedlichsten Sekretariaten. Wir würden uns natürlich wünschen, dass manche Prozesse rationalisiert werden würden. Die UNO lebt das System von "Checks and Balances", das System der gegenseitigen Kontrolle. Es gibt eine Vielzahl von Schritten, die notwendig sind, bevor Dinge passieren.

Aber es gibt Veränderungen?

Aber ich kann hier nur für UNODC sprechen und das in einer Periode der letzten zehneinhalb Jahre. Wir haben Rationalisierungen durchgeführt und haben zahlreiche Direktoren, die sehr gut wissen, was Flexibilität bedeutet, da wiederum jene Menschen, die mit uns zusammenarbeiten, von uns erwarten, dass wir flexibel sind. Sie leben nämlich in jenen Weltregionen, wo Dinge einfach so passieren. Klick. Und ich sehe, dass sich positive Veränderungen ergeben. Bürokratie an und für sich mag einen negativen Beigeschmack haben. Aber so wie sie hier im Haus gelebt wird, damit kommen wir gut zurecht.