Als ich jung war, sagte mein Vater an manch schönem Sommertag zu uns Kindern: "Ich gehe zum Schiederweiher, kommt’s mit?" Aber wir Kinder waren beschäftigt mit uns selbst und allem anderen, also hörte er meist: "Geh bitte! Zum Schiederweiher? Geh alleine!" Wandern war etwas für Eltern, aber heute bereue ich, dass ich nur selten seiner Einladung zur gemeinsamen Wanderung dorthin gefolgt bin. Nicht nur wegen der Schönheit dieses "Schatzes", sondern viel mehr noch wegen der Quality Time mit ihm, auf die ich törichterweise verzichtet habe. Bis es dann zu spät war, Versäumtes nachzuholen.

Das Leben zieht schneller an einem vorbei als jener offene BMW, der aus dem Ortsgebiet von Hinterstoder im südlichen Traunviertel herausgerast kommt, aus der Gegend, wo gerade die vier Schröcksnadel-Bettenburgen gebaut werden, damit dann die Schröcksnadel-Skigebietnutzer noch mehr Geld zum Schröcksnadel tragen können. Der Fahrer blinkt und lenkt den Wagen selbstbewusst am Sicherheitsdienst vorbei auf den bereits vollen Parkplatz. Der Security-Mann, der in der Früh aus Linz herangekarrt wurde, wie er mir später erzählt, kann nichts tun gegen eine so breite Brust. Das ist die um sich greifende Schröcksnadel-Manier, die der Dame im Auto vermitteln soll: I bin i, und i tua, wos i wü.

Ein paar Mal wird der Perger nun dort sinnlos herumkurven, bis er am Ende doch den Sicherheitsmann fragen muss, wo der zweite Parkplatz ist, auf dem noch etwas frei wäre für einen wie ihn mit einem Auto wie seinem. Es ist 10 Uhr an einem noch wolkenverhangenen Samstag im Juni. Es ist Schiederweiher-Time.

Ballons am Baum

Wer in diesen Tagen hierher kommt, der wird vielleicht am Morgen als Mausi beim Frühstück vom Schatzi gehört haben: "Horch zua, auf dem Wikipedia schreiben’s: Der Schiederweiher ist von 1897 bis 1902 vom k.u.k. Hofbaumeister Johann Schieder errichtet worden. Um die zunehmende Veralgung und Verlandung des Weihers zu beenden, wurde der See 2004/05 durch die Gemeinde Hinterstoder mit Unterstützung des Grundeigentümers saniert!"

"Echt?"

"Ja!"

Da freilich dachte noch niemand daran, dass der Schiederweiher im Rahmen einer TV-Show namens "9 Plätze - 9 Schätze" zum "Schönsten Platz Österreichs" gekürt werden würde. Das war letztes Jahr, und seither heißt es in immer mehr Haushalten des Landes am Samstagmorgen: "Schatzi, was mach’ ma? Gemma Schiederweiher?"

Wer in Bussen anreist, wird von einem eigenen Sicherheitsmann empfangen, der Bus muss angemeldet sein und kommt auf einen eigenen Parkplatz. Auf jenem für Pkw trägt Asadullah eine gelbe Warnweste. Er kam vor dreieinhalb Jahren aus Afghanistan, wo den Schiederweiher noch keiner kennt, nach Österreich und hat jetzt endlich einen positiven Bescheid. Nun lernt er die Bezirke Österreichs kennen oder besser: ihre jeweilige Abkürzung auf den Kennzeichen der Autos, die aus MD, SE, HL oder aus PE wie Perg kommen, so wie der schnittige BMW. Wer am Automaten kein Parkticket gelöst hat (um drei Euro für vier Stunden oder um sieben Euro für ein ganzes Wochenende, falls er am Prielschutzhaus übernachten möchte), der zahlt zehn Euro Strafe.