Sitzgelegenheit mit eingeritzten Namen. - © Rebhandl
Sitzgelegenheit mit eingeritzten Namen. - © Rebhandl

Das Wasser an der Biegung, an der sie schwimmt, ist kristallklar wie auf Postkarten, und in den Holzstock, der mit Motorsäge zur Sitzgelegenheit verfeinert wurde, haben Jonah und Pauli ihre Namen eingeritzt. Die Wirtin hinten im Stüberl, sagt Albert, hat auch keine rechte Freude mit so vielen Leuten, und ihm selbst sind mittlerweile sowieso die Tschechen am liebsten, die früher recht alleine den einzigen Parkplatz belegt haben, bevor sie auf den Priel oder die Spitzmauer hinaufgestiegen sind.

Der Herrgott hat die Schätze gerecht verteilt über die ganze Welt, die Thailänder haben "The Beach" auf Ko Phi Phi, und die Oberösterreicher eben ihren Schiederweiher, den wir schon nach gut 20 gemächlichen Gehminuten erreichen. Der Mensch aber hatte eine andere Vorstellung von Verteilungsgerechtigkeit auf der Erde als der Herrgott, darum gehört alles, was schön ist und etwas hermacht, einem reichen Mann.

Der Schiederweiher etwa dem Carl Herzog von Württemberg aus Altshausen in Deutschland. Auf einer seiner Bänke sitzen welche, die nicht aussehen, als wären sie von hier, und tatsächlich: Sie sind aus Linz, wohin sie vor 35 Jahren aus China gekommen sind, zu einer Zeit, als Österreich noch freundlich war zu Flüchtlingen. Es gab noch keinen Altkanzler Kurz, der am liebsten alles den Herzögen und Schröcksnadels und Immobilienentwickeln geben wollte. Für die Tochter der Einwanderer, Yasmin, die zwölf Jahre alt ist und ins Gymnasium geht, wird da nicht mehr viel übrig bleiben, selbst wenn sie die Landeshymne fehlerfrei singen kann: "Hoamatlaund, Hoamatlaund, I haun di so gern!"

"Mei, is des schwü!"

In der Früh hat heute auch ihre Familie in einer Zeitung vom Schiederweiher gelesen, und dann sind sie die 90 Kilometer hierher gefahren, um ihn zu sehen. Schön finden sie ihn schon, aber China hat die Drei Schluchten, die sind auch nicht schlecht. Und ein junger Amerikaner, der mit seiner österreichischen Mutter hier ist, ist erst vor Kurzem durch Utah und Arizona gefahren, God’s own country. Also: "Wann gibt’s was zu essen?"

Das gibt’s dann gleich hinten im Polsterstüberl in der Polsterlucke, wo die meisten zuerst einmal aufs Klo gehen, und eine sehr Resche im Rot-weiß-rot-Hemd muss es nach dem Händewaschen unbedingt alle wissen lassen: "Mei, is des schwü heit!" Gegen den dadurch entstandenen Flüssigkeitsverlust gibt’s im Gastgarten gleich einen ersten Spritzer, es ist noch nicht annähernd 11 Uhr, aber die Bänke sind schon gut besucht, und was noch frei ist, das ist reserviert.

Bewirtung mit Cremeschnitte: "Griaß di, griaß eich, griaß Gott!" - © Rebhandl
Bewirtung mit Cremeschnitte: "Griaß di, griaß eich, griaß Gott!" - © Rebhandl

Die Kellner tragen erste Kaspressknedl herum, Bratl mit Kraut oder Hirschgulasch. "Griaß di, griaß eich, griaß Gott!" und "Hello!" für den Wamperten im Uncle-Sam-Shirt. An der Budel kann man sich Cremeschnitten holen oder Bauernkrapfen mit Marmelade in der Mitte und reichlich Zucker drauf. Die gehen aber besser bei kühlerem Wetter, sagt die sehr sympathische Fachkraft, die Cremeschnitte dafür besser bei heißem. Hinten am alten Gebäude gibt es eine Ladestation, und vorne am Spielplatz turnt eine kleine Ella, die aber anders heißt: "Lilly, pass auf!"

Wer noch weiter geht, der kommt ins Tote Gebirge. Davor liegen noch saftigste Wiesen, und in einer grast seelenruhig ein Esel. Bald fangen die Sommerferien an, und dann wird es hier richtig losgehen: "Kinder, was mach ma? Gemma Schiederweiher?" Und der Esel wird sich dann vielleicht fragen, warum er "ein Esel" sein soll - und nicht die, die ihn anschauen.