Der Sommer in Wien entfaltet erst nächtens seine ganze Schönheit. Wer es sportlich mag, kann die Nacht mit einer Runde Minigolf einläuten. Der beste Platz der Stadt befindet sich im Postsportzentrum Hernals. Kenner der schiefen, von Wurzeln unterwanderten Bahnen, wissen ihren Vorteil gekonnt zu nutzen. Das Bier schmeckt unter den lauschigen Linden. Und da beim Minigolf der Caddie fehlt, sind die wohl verteilten Stehtische ein Segen. Siege müssen gefeiert werden, Niederlagen verdaut.

Beides kann man entweder beim Heurigen, oder am Donaukanal tun. Die Wiener Heurigenkultur muss nicht näher beschrieben werden. In den Bergen um die Stadt finden sich dutzende Möglichkeiten, den Reben, die man trinkt, beim Wachsen zuzusehen. Am Kahlen-, Nuss- oder Bisamberg, in Nussdorf, Sievering, Neustift am Walde und natürlich in Grinzing.
Auch der Donaukanal (ein weiteres Produkt der Donauregulierung) ist mittlerweile hinreichend bekannt. Der einst als Kloake verschriene Versorgungskanal hat sich in den vergangenen 15 Jahren als Ausgehmeile etabliert. Vor allem zwischen Franzens- und Augartenbrücke, also im Bereich des ersten Bezirks, steppt hier allabendlich der Bär.

Oder im Central Garden Bier trinken. - © Tatjana Sternisa
Oder im Central Garden Bier trinken. - © Tatjana Sternisa

Die Partyhorden drängen sich um die Lokale. Über die unverkennbare Kaimauer des Architekturvisionärs Otto Wagners baumeln tausende Beine. Doch es gibt sie noch, die Geheimtipps, die die Reiseführer bis heute – Gott sei dank – aussparen. In der Hafenkneipe bei der Franzensbrücke gibt es abwechselnd hervorragenden Steckerlfisch und annehmbare Pizza überm Lagerfeuer gebacken. Im Central Garden gleich daneben ist es angenehm ruhig. Hier geht es nicht ums Geldverdienen. Der sympathische Gemeinschaftsgarten mit Barbetrieb sieht sich als nicht kommerzieller Ort für Kunst, Kultur und Sport.

Ums Geldverdienen geht es auch beim Volxkino nicht. Das Wanderkino bespielt seit nunmehr 30 Jahren Plätze und Parks in Wien. Sobald es dunkel wird, flimmern Arthouse-Filme über die Leinwand. Gratis und für alle. Die Zuseher breiten sich auf Decken und Klappsessel aus. Das Volxkino war der Vorreiter einer breit gefächerten Sommerkinokultur in Wien. Vom Kino unter Sternen im Augarten bis zum Kaleidoskop am Karlsplatz oder dem Kino am Dach auf der Wienbücherei am Gürtel. Cineasten kommen in der ganzen Stadt auf ihre Kosten.

Nach dem Kino – meistens ist es nun Mitternacht – geht der raffinierte Wiener ins Bett. Schließlich wartet der nächste Urlaubstag daheim. Und zu tun gibt es noch viel. Im Rohrerhaus im Lainzer Tiergarten hat er heuer noch keinen Topfenstrudel gegessen. Beim Haustadlwasser im Prater ist er sowieso viel zu selten. Autodrom gefahren ist er mit 16 das letzte Mal. Wann soll er bitte nach Jesolo fahren? So ein Sommer in Wien vergeht wie im Flug. Wegfliegen kann er ja im Winter. Am besten bevor die drei Heiligen antanzen.