Bis Ende 2013 soll ein 1,3 Kilometer langes Teilstück der Trasse im Westen der Stadt für die Öffentlichkeit renoviert werden. Bis dahin wird man einen öffentlichen Zugang zur "Petite Ceinture" vergeblich suchen. Es gibt keinen. Nur mit viel Glück findet man auch ohne Vorkenntnisse einen leicht zu überwindenden Zaun oder eine offene Türe – allesamt streng gehütete Geheimnisse; die Möglichkeiten, sie zu lüften, sind für Außenstehende beschränkt.

Kaum bekannt aber nicht minder bezaubernd als das übrige Paris ist die "Petite Ceinture", eine alte Eisenbahntrasse rund um Paris. 

- © J.Kerviel
Kaum bekannt aber nicht minder bezaubernd als das übrige Paris ist die "Petite Ceinture", eine alte Eisenbahntrasse rund um Paris. 
- © J.Kerviel

Einen einfachen Weg zu Informationen zu versteckten Orten und Plätzen, die sich Fremden nur selten erschließen, bietet wimdu an, eine umfangreiche Online-Plattform für Privatwohnungen und -zimmer. Das deutsche Unternehmen wurde 2011 gegründet, mittlerweile stehen weltweit rund 150.000 private Unterkünfte zur Auswahl, darunter ein Baumhaus in der Bretagne oder eine Krankabine in den Niederlanden. In Paris sind die Angebote zwar nicht so ausgefallen, dafür aber umfangreich und vielfältig, was Preis, Größe und Lage betrifft. Bilder und Bewertungssystem erleichtern außerdem die Auswahl der Wohnungsart, und im Unterschied zu Couch Surfing bleibt es einem selbst überlassen, ob man mit Einheimischen zusammenwohnt oder nicht.

Wohnen in privaten Unterkünften ist nicht nur preiswerter, sondern auch erkenntnisreicher. Es zeigt sich zum Beispiel schnell, dass man in Paris nicht nebeneinander, sondern vielmehr miteinander wohnt, vor allem angesichts der kleinen Wohnungen und hellhörigen Häusern. Dadurch spielt sich ein Großteil des Lebens in Paris auch außerhalb der eigenen vier Wände ab, die vielen Bistros, vollen Parks, die stark frequentierten Ufer der Seine und die Gehsteige entlang des Canal Saint-Martin am Abend zeugen davon. Außerdem lernt man in privaten Unterkünften schnell die Eigentümlichkeiten anderer Städte kennen: So kochen die meisten Menschen in Paris angesichts der kleinen Wohnungen auf maximal zwei Herdplatten, für Kinderwägen ist es selbst in den engsten Stiegenhäusern noch genug Platz und wer meint, für Pariser Haustore gäbe es Schlüsseln, der irrt: Ein meist fünfstelliger Zahlencode schafft Eintritt in den Hausflur.

Eine aufblühende Rose

Als Vorbereitung für authentisches Wohnen in Paris kann man auch die Anreise nutzen, zumindest was die Raumgröße betrifft. So fährt die Deutsche Bahn täglich mit einem Nachtzug von München nach Paris und zurück (eine direkte Verbindung von Wien gibt es leider nicht mehr), mit Abteilwagen, Liegewagen oder Schlafwagen. Letzterer ist zwar klein, aber fein: Mit Waschbecken und Frühstück landet man am Morgen erfrischt mitten in der Stadt, die Fahrt selbst vergeht in den fahrenden Zimmern wie im Flug, unter anderem, weil die gut isolierten Fenster der Schlafwagenabteile für eine erholsame Nacht sorgen: Ein Großteil des Ratterns bleibt draußen. Franz Kafkas Paris-Erfahrung bleiben einem somit mittlerweile erspart. Ihm war die Bahnreise viel zu beschwerlich und schmutzig, um an der Metropole Gefallen zu finden. Er zog sich zur Erholung ins Hotelzimmer zurück und ließ Paris Paris sein.

Honoré de Balzac wiederum verglich die Seine-Metropole mit einer aufblühenden Rose, die sich umso mehr entfaltet, je tiefer man in sie eintaucht. In diesem Sinne sei der von Duncan J. D. Smith erschienene Reiseführer "Nur in Paris" (Brandstätter-Verlag) zu 98 einzigartigen Plätzen in Paris genannt. Zwei der hier angeführten Orte sind ebenfalls in dem Buch erwähnt, dazu kommen Stätten, die an den Liedermacher Georges Brassens erinnern, von Kolonialismus und Imperialismus ebenso handeln wie vom echten Glöckner von Notre Dame, von ausgestopften Ratten oder den Gebeine Ludwigs XVI. Smiths Erkundungen fernab von Touristenmagneten sind all jenen empfohlen, die Neues über Paris entdecken wollen oder einen fundierten, umfassenden und klischeefreien Reiseführer für die schöne Metropole suchen.