Berlin. Die deutsche Reiseanalyse wird von den österreichischen Touristikern jedes Jahr mit Spannung erwartet. Sind die Deutschen in Urlaubsstimmung? - Ja, sie sind, sagt Ferienforscher Martin Lohmann. Er ist Leiter des Instituts für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa und wissenschaftlicher Berater für die Reiseanalyse, die von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) seit fast 50 Jahren durchgeführt wird.

Überraschend sind die Ergebnisse für das heurige Jahr nicht. 59 Prozent unserer deutschen Nachbarn haben schon feste Urlaubspläne, 2015 waren es 58 Prozent. 12 (nach 11) Prozent wollen sicher nicht verreisen. Das beliebteste Ziel bei Urlaubsreisen ab fünf Tagen Dauer ist nach wie vor Deutschland selbst mit einem Marktanteil von 29 Prozent, gefolgt von Spanien (13 Prozent), Italien (8 Prozent), Türkei (7 Prozent) und Österreich mit 5 Prozent. Für das kleine Österreich bedeutete das für die Sommersaison 2015, dass 32,8 Prozent der Ankünfte auf Deutschland entfielen. In der Wintersaison 2014/2015 waren es 32,8 Prozent. Bei den Kurzreisezielen ist Österreich die Nummer 1 bei den deutschen Touristen.

Dass der deutsche Markt kein Selbstläufer ist, weiß man seit Jahren, und trotz aller Aktivitäten zur Erschließung neuer Destinationen gilt es, den Marktanteil abzusichern. Die Auswahl wird größer, und die Deutschen sind neugierig auf Neues. 42 Prozent planen laut Reiseanalyse, ein Land zu besuchen, wo sie noch nie waren. "Wir Deutschen können nicht überall sein", sagte Lohmeyer am Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch vor österreichischen Journalisten in Berlin.

Flüchtlingsfrage für Urlaubspläne nicht relevant

Die politische Positionierung Österreichs in der Flüchtlingsfrage sei für die Urlaubspläne nicht relevant, betont Lohmeyer. Überhaupt werden die Auswirkungen von Krisen und Unruhen auf die Wahl des Reiseziels überschätzt. Er erinnert sich: Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986 sagten 27 Prozent der Deutschen, sie hätten ihre Reisepläne geändert. "Aber: Es sind immer 27 Prozent, die ihre Pläne ändern."

Sobald eine Destination wieder aus den Negativschlagzeilen sei, könne sich die Nachfrage meist relativ schnell erholen. So herrsche generell durchaus ein weiterhin hohes Interesse der deutschen Bevölkerung an Urlaub in der Türkei, trotz der unruhigen Situation. Österreich nütze die Einbußen, die der türkische Tourismus aufgrund der Terroranschläge hinnehmen musste, nicht. "Die Leute wollen baden", sagt Lohmeyer.

87 Milliarden Euro für Reisen ausgegeben

2015 haben die Deutschen für Urlaubsreisen inklusive Kurzurlaub insgesamt 87 Milliarden Euro ausgegeben. Die wichtigste Urlaubsart war der Strandurlaub, gefolgt vom Relax- und Natururlaub. Ausruhen und Gesundheit verliert langfristig Marktanteile, Baden, Familie und Sightseeing legen weiter zu. Das Motto lautet: Nicht zu eintönig, aber auch nicht zu anstrengend.