• vom 06.11.2018, 16:48 Uhr

Viennale

Update: 06.11.2018, 17:18 Uhr

Viennale

Von radikal bis preisgekrönt




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Von Matthias Greuling

  • Die Viennale geht mit einigen sehenswerten Filmperlen in den Endspurt.

"Climax" von Gaspar Noé zeigt bei der Viennale das radikale Potenzial dieses Regisseurs. - © Viennale

"Climax" von Gaspar Noé zeigt bei der Viennale das radikale Potenzial dieses Regisseurs. © Viennale

Ben Foster in der Wildnis von "Leave no Trace".

Ben Foster in der Wildnis von "Leave no Trace".© Viennale Ben Foster in der Wildnis von "Leave no Trace".© Viennale

Wien. Am 8. November geht die Viennale zu Ende, aber bis zum Schluss ist das Programm mit hochkarätigen Filmen gespickt. Für einen Viennale-Besuch in letzter Minute eignet sich etwa der Film "Blaze" (7. November., 18 Uhr, Gartenbau), die neue Regiearbeit von Schauspieler Ehtan Hawke, der darin dem Country-Songwriter Blaze Foley ein filmisches Denkmal setzt. Der geniale Musiker war auch ein Selbstzerstörer, der 1989 mit nur 39 Jahren starb. Hawkes Biopic dringt tief ein in den Kosmos eines Musikerlebens zwischen Songs, Drogen und Alkohol.

Drogen und ihr Missbrauch stehen auch im Zentrum von Gaspar Noés "Climax" (7. November, 20.30 Uhr, Gartenbau): Eine Überdosis LSD verwirrt die Mitglieder einer Tanzkompanie am Abend vor ihrer Tournee, an dem sie sich zu einer Party treffen, bei der Lasterhaftigkeit und pornografische Gewalt dominieren. Noé erklärt wie in den meisten seiner Filme die Radikalität zum Prinzip.

Preisträger aus Locarno

Der koreanische Regisseur Hong Sang Soo, der bereits 2015 für seinen Film "Right Now, Wrong Then" den Goldenen Leoparden in Locarno bekam, wiederholte heuer dieses Kunststück mit dem poetischen "Gangbyun Hotel" (8. November, 13 Uhr, Gartenbau): Das in schlichtem, aber malerischen Schwarzweiß gehaltene Drama folgt zwei am Leben gescheiterten Figuren, einem alten Dichter, der vom Leben genug hat und sich noch einmal mit seinen beiden Söhnen treffen will, sowie von einer Frau, deren Beziehung zu einem verheirateten Mann in die Brüche gegangen ist und die nun hier ein wenig Trost sucht. Beide Erzählstränge lässt Hong Sang Soo nebeneinander herlaufen, in wunderbaren Bildern, die ganze Bandbreite des menschlichen Seins und Leidens reflektierend, und selbstredend nicht alles auserzählend, nicht alles beantwortend. Es ist ein großer Film geworden.

Auch "Museo" (7. November, 16 Uhr, Urania) gehört in diese Kategorie: Die hitverdächtige mexikanische Krimi-Groteske behandelt einen absurden Coup, der sich 1985 in Mexiko tatsächlich zugetragen hat. Zwei Amateur-Einbrecher schafften es damals, ins weltberühmte Nationalmuseum für Anthropologie in Mexico City einzudringen und unermesslich wertvolle Kunstschätze - darunter die Totenmaske des Maya-Königs Pakal - zu stehlen. Anschließend versuchten sie, Käufer für ihre Beute zu finden, stellten aber bald fest, dass es für solche Unikate keinen Markt gibt. Sie gaben ihre Beute schließlich wieder ans Museum zurück, wo man einen der Diebe (Gael Garcia Bernal) schließlich festnahm.

Leben in der Wildnis

In "Leave No Trace" (7. November, 15.30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus) folgt Regisseurin Debra Granik dem Kriegsveteranen Will (Ben Foster) und seiner Tochter Tom (Thomasin Harcourt McKenzie), die zusammen in den Wäldern Oregons leben, ohne festen Wohnsitz in selbst errichteten Erdhöhlen, bewusst ausgestiegen aus jeglicher Zivilisation. Eine solche Situation lässt das Jugendamt allerdings nicht zu. Nach ihrem Aufgriff durch Ranger erfolgt eine zwangsweise Wiedereingliederung in die Gesellschaft, doch sowohl Vater als auch Tochter haben damit ihre Probleme, jeder auf unterschiedliche Weise. Granik entwickelt daraus verschiedene Definitionen des Freiheitsbegriffs.

Auch bei den Dokus ist die Viennale gewohnt stark. Zwei Arbeiten aus Österreich stehen noch auf dem Programm: In "Kino Wien Film" (7. November, 11 Uhr, Metrokino) nimmt Paul Rosdy seine Zuschauer mit auf eine Reise durch Wiens Kinos und Filmtheater von 1896 bis heute. Was macht einen Kinobetrieb aus? Wie ist das Zusammenspiel zwischen Kinobetreibern, Verleihern, Vorführern und dem Publikum? Vom ersten Lichtspielhaus zum Multiplex: Rosdy unterfüttert seine Doku mit unzähligen Filmausschnitten, Fotos, Texten und anderen Dokumenten.

Houchang Allahyari widmet sich in "Ute Bock Superstar" (8. November, 18 Uhr, Metrokino) der verstorbenen Kultfigur der Menschlichkeit und zeigt, wie ihr Werk nach ihrem Tod weiterlebt. Außerdem unternimmt Allahyari eine sehr persönliche Annäherung an Ute Bock und zeigt auch die privaten Seiten ihres Lebens.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-06 16:55:10
Letzte Änderung am 2018-11-06 17:18:46




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