Wien. "Das Beste kommt zum Schluss", weiß auch Viennale-Direktor Hans Hurch. Und so mussten erst die knapp zwei Wochen des 51. Wiener Filmfestivals vorübergehen, bis Stargast Will Ferrell anlässlich des ihm gewidmeten Tributes am Mittwochabend seine Aufwartung machte. Vor dem Abschlussfilm "Locke" von Steven Knight inklusive Preisverleihung gab sich der US-Schauspieler beim Screening seines Kultfilms "Anchorman" erst am – dem Festivalplakat entsprechend – grünen Teppich und später beim ausführlichen Bühnengespräch vor dem prall gefüllten Wiener Gartenbaukino gut gelaunt – und im feinen Zwirn. "Ich bin wohl etwas overdressed", so der Komiker. "Ich habe nur 30 Leute oder so erwartet."

"Schämen Sie sich" hatte eine schockierte Besucherin zu Hans Hurch gesagt, als dieser einst die Actionkomödie "The Other Guys" (2010) mit Will Ferrell als Überraschungsfilm bei der Viennale programmiert hatte. Der Grundstein für ein zwei Jahre später stattfindendes Tribute war damit gelegt, spalte doch kaum ein Schauspieler sein Publikum derart wie Ferrell, so der Festivaldirektor. Zur eigens veranstalteten Gala mit Vorführung von "Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy" (2004) und nie zuvor gezeigten Szenen aus der lang ersehnten Fortsetzung "Anchorman 2" (Ö-Start: 31.1.2014) war – den Begeisterungsstürmen und stehenden Ovationen nach zu urteilen – nur die treue Fangemeinde des Schauspielers gekommen. "Die meisten unter ihnen werden dafür bezahlt, hier zu sein", scherzte Ferrell: "Danke, ihr seid sehr überzeugend."

Die Anfrage aus Wien, wonach die Viennale dem Künstler als erstes Filmfestival weltweit eine umfassende Hommage widmen will, hatte dieser anfangs für einen Fehler gehalten. "Ich habe nicht realisiert, dass sie tatsächlich all meine Filme zeigen würden", so Ferrell im Gespräch mit Moderatorin und US-Filmjournalistin Lisa Nesselson. "Dann dachte ich: ‚Wurde aber auch Zeit!’" So spaßig es sei, lustige Filme zu drehen, "steckt man auch viel Arbeit rein". Dass am Ende nicht jeder Witz gut ankommt, gehöre dazu. "Comedy ist keine Demokratie, sie ist sehr tyrannisch. Man muss sich für einen Weg entscheiden und dabei bleiben", so der mit der TV-Sketch-Show "Saturday Night Live" berühmt gewordene Ferrell. "Hoffentlich lachen 72 Prozent der Menschen darüber. Und die 28 Prozent, die es nicht verstehen – wen kümmern die?"

Angst habe er nur davor, dass seine Kinder eines Tages seine Darstellungen bizarrer Sturköpfe sehen und gegen ihn verwenden. "Die werden sagen: ‚Du bist nackt eine Straße runtergerannt, warum kann ich das nicht auch?’", meinte Ferrell. "Diese Momente werden mich eines Tages einholen." Bis dahin kann er schöne Momente wie jenen genießen, in dem ein Wiener Student aus dem Publikum um ein Autogramm auf seinem Diplom bittet – ging es in seiner Abschlussarbeit doch um die gemeinsamen Filme von Ferrell und Regisseur Adam McKay. "Und die haben dich graduieren lassen?", staunte Ferrell. "Das klingt nach der besten Universität der Welt!"

Als letzter offizieller Akt vor dem Abschlussfilm wurden auch heuer traditionell Preise verliehen, darunter der mit 12.000 Euro dotierte Wiener Filmpreis, der in der Spielfilmkategorie an Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" ging. Diesen hatte Seidl im Vorjahr aus Protest gegen die Spielzeiten zurückgezogen. Insofern freue er sich, dass er es nun über die Hintertüre doch noch in der "Hans-Hurch-Kathedrale des Films" Eingang gefunden habe, verlas Co-Drehbuchautorin Veronika Franz eine Grußbotschaft Seidls. Dieser widmete den Preis dem vor kurzem verstorbenen Hauptdarsteller von "Paradies: Liebe", Peter Kazungu, für dessen vierjähriges Kind man als Filmteam eine Patenschaft übernehme.

"Die besten Jahre meines Lebens habe ich diesem Festival geschenkt", zeigte sich Viennale-Direktor Hurch zum Abschluss nachdenklich. Und heuer sei eine der schönsten Ausgaben gewesen: "Ich habe selten so viele ehrliche und gute Reaktionen bekommen."