• vom 14.10.2014, 14:02 Uhr

Viennale

Update: 09.10.2015, 13:03 Uhr

John Ford

Mister Ford nahm den Zug




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Von Matthias Greuling

  • Das Österreichische Filmmuseum zeigt ab 16. Oktober die "Viennale"-Retrospektive über John Ford.

Western-Idyll: John Wayne in Fords "The Horse Soldiers".

Western-Idyll: John Wayne in Fords "The Horse Soldiers".© Filmmuseum Western-Idyll: John Wayne in Fords "The Horse Soldiers".© Filmmuseum

Wien. Wer von Western spricht, spricht von John Ford. Die Filme dieses Großmeisters und selbst ernannten "Director of Westerns" haben das amerikanischste aller Filmgenres maßgeblich geprägt. Wie kein anderer Regisseur hat Ford in den sechs Jahrzehnten seiner Karriere und in den rund 140 Spielfilmarbeiten akribisch daran gearbeitet, das Wesen seiner Heimat, der Vereinigten Staaten, abzubilden und es auch zu hinterfragen. Vier Regie-Oscars hat er bekommen, mehr als alle anderen, den ersten schon 1936 für "The Informer", und viele seiner Kollegen - von Orson Welles bis zu den "jungen Wilden" des New Hollywood in den 1970er Jahren nahmen auf Fords Arbeiten Bezug.

John Ford, das Universalgenie des amerikanischen Kinos? Der 1894 in Maine als John Martin Feeney geborene Regisseur hat zumindest beide Welten zufriedengestellt, die Kritiker und das Publikum. Das gelingt höchst selten.


Unterstützt wurde Ford dabei von seinen immer gleichen Leading Men, John Wayne, Henry Fonda, John Carradine, Ward Bond oder James Stewart. Man nannte sie die "John Ford Stock Company", weil Ford so regelmäßig auf diese Schauspieler zurückgriff - und die meisten von ihnen zu Ikonen des Western machte.

1909 folgte Ford seinem älteren Bruder Francis Ford nach Hollywood, wo dieser als Schauspieler in über 500 Stummfilmen auftrat. Später führte Francis auch bei 200 Kurz-Western Regie, in einigen davon trat auch sein Bruder auf, der sich inzwischen in Jack Ford umbenannt hatte. Einen kurzen Auftritt als Mitglied des Ku Klux Klans hatte Jack Ford in D.W. Griffiths umstrittenem "The Birth of a Nation" (1915), dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte. Kurz bevor Ford 1924 mit "Das Feuerross" sein erstes Meisterwerk drehte, taufte er sich nochmals um, diesmal in John Ford. Er drehte für Fox und RKO mit den größten damaligen Stars und wurde schnell zum "Mister Western". Filme wie "The Brat" (1928), "The Lost Patrol" (1934), "The Informer" (1935), "The Fugitive" (1947), "Rio Grande" (1950), "The Searchers" (1956) oder der abgebildete "The Horse Soldiers" (1959), die nun allesamt auf dem Spielplan des Österreichischen Filmmuseums stehen (16. Oktober bis 30. November), lassen tief blicken in den einzigartigen Stil, den Ford über die Jahre perfektionierte: In seinen Western- und Kriegsfilmen bewegte sich die Kamera kaum, echte Fahrten hob sich Ford für besondere Szenen auf. Auch vermied Ford Großaufnahmen, wo er nur konnte. Die Figuren, die er zeichnete, waren stets Individualisten, die sich anschickten, in einer unwirtlichen Welt zu überleben und dabei stellvertretend von der Entwicklung Amerikas zum selbstbestimmten, demokratischen, aber keineswegs konfliktfreien Staat zeugten.

Ford, der sich als liberaler Demokrat "und Rebell" sah, zeigte sich in seinen Arbeiten als Patriot, ging dabei zuweilen auch scharf mit den Amerikanern ins Gericht, vor allem in der Frage, wie man die indianischen Ureinwohner quer durch die US-Geschichte misshandelte, enteignete oder ermordete. All das ist auch in seinen Filmen zu sehen.

John Fords Geheimnis
Das Geheimnis hinter John Fords Filmen ist, dass es kein Geheimnis gibt - so hat der Regisseur es gerne selbst formuliert, wenn man ihn auf seine Arbeitsweise ansprach: "Nun ja", sagte er dann, "ich sage den Schauspielern, was ich will, und sie geben es mir, meist schon beim ersten Take." Mehr als zwei Takes hat Ford selten gedreht. So einfach geht das mit dem Filmemachen.

Seine sehr bodenständige Art, über Filme zu sprechen, ist schließlich auch sein Markenzeichen geworden. Stapelt da jemand tief? Oder sind nur die Filmwissenschafter und Historiker über die Maßen hymnisch, weil sie hinter Fords Opus mehr vermuten, als da tatsächlich ist? "Jeder kann Regie führen", sagte Ford einmal. "Sobald man einmal die Grundlagen kennt. Regie ist kein Mysterium, es ist keine Kunst. Das Wichtigste dabei ist: Filme immer die Augen der Schauspieler. Ich kann nicht über Kunst sprechen, denn ich mache Filme, um die Miete zu bezahlen."

Legendär auch, wie er den jungen Jean-Luc Godard, damals noch Filmjournalist bei den "Cahiers du cinéma" aufbrachte, als dieser ihn fragte: "Mr. Ford, wie kamen Sie nach Hollywood?" Ford antwortete: "Mit dem Zug." So einfach geht die ganze Welt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-10-14 14:05:05
Letzte Änderung am 2015-10-09 13:03:17



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