Viennale-Präsident Eric Pleskow.
 - © Katharina Sartena.
Viennale-Präsident Eric Pleskow.
- © Katharina Sartena.

Wien. (greu/apa) Mit einem kleinen kirchlichen Gesang eröffnete Viennale-Festival-Direktor Hans Hurch am Mittwoch Abend die 53. Wiener Filmschau, die dem Publikum bis 5. November fast 200 neue Filme aus aller Welt vorstellen wird. Langzeitdirektor Hurch, seit 1997 im Amt, nahm in seiner "19. politischen Predigt" zur Eröffnung Stellung zur vergangenen Wien-Wahl und den politischen Querelen im Land, die durch die aktuelle Flüchtlingskrise entstanden sind. Eine politische Rede wollte er eigentlich nicht halten, so Hurch, doch dies sei notwendig geworden, wenn FPÖ-Vizebürgermeister Johann Gudenus "in der Flüchtlingsfrage schon mal von Umvolkung spricht", ÖBB-Chef Christian Kern allein dadurch, dass er "ein paar (Züge, Anm.) fahren lässt", schon zum Kanzlerkandidat wird, und Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) in Zeiten der Globalisierung "das Haus der Kulturen zugunsten eines Hauses der österreichischen Identität" verkleinern wolle. Hurchs Gesang dazu zeigte auch: An ihm ist sicher auch ein guter Priester verloren gegangen.

Doch so sakral und züchtig wie der Kirchenalltag ist die Viennale nicht. Allein der Eröffnungsfilm über eine lesbische Liebesbeziehung in den USA der 50er Jahre dürfte dem Vatikan sauer aufstoßen. "Carol" von Todd Haynes erzählt eine leidenschaftliche Lovestory zwischen Cate Blanchett und Rooney Mara. Die dreifach mit dem Oscar ausgezeichnete Kostümbildnerin des Films, Sandy Powell, wohnte der Wien-Premiere mit knallorangenen Haaren und bunt gestreiftem Jackett bei.

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Ebenso gekommen war Viennale-Präsident Eric Pleskow, der wegen seines schlechten Gesundheitszustandes die letzten drei Jahre fehlte. "Ich danke meiner Ärztin, dass sie mich wieder fit bekommen hat", sagte der 91-jährige, 14-fache Oscarpreisträger, der dereinst vor den Nazis aus Wien flüchtete. "Ich weiß, wie es ist, auf der Flucht zu sein. Und ich bin damals gerne von Wien gegangen, denn sonst wäre ich heute wohl verheizt", sagte er dem frenetisch applaudierendem Premierenpublikum, das ihn mit einer Standing Ovation feierte. Und versicherte augenzwinkernd, er wäre auch bei einem Sieg der FPÖ bei der Wien-Wahl wieder aus seiner Wahlheimat USA in jene Stadt zurück gekommen, aus der ihn die Nazis einst vertrieben haben. "Diesmal wäre ich gekommen, um euch zu trösten und zu sagen, dass ihr kein Monopol auf blöde Wähler habt", so der Hollywood-Produzent, dessen Trost nun vor allem einem Bundesland gilt: Dass nämlich sein "guter Freund" Arnold Schwarzenegger ausgerechnet die TV-Show "Celebrity Apprentice" des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump beerbe, "ist für die Steiermark eine totale Blamage".

Auch bei Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny war die Flüchtlingskrise Thema: Während "FPÖ, SVP, Pegida und wie sie alle heißen" den Weg der Verhetzung gingen, sei auch der Zugang, Menschen einzig die Angst zu nehmen, ein "grundlegend falscher". "Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar", zitierte Mailath erst Ingeborg Bachmann und dann auch Angela Merkel: "Wir schaffen es. Das ist die wichtigste Botschaft, die wir den Menschen geben können."

Hans Hurch wird übrigens 2016 weiterpredigen, wie er angekündigt hat. Es wird dann wohl eine sehr eindringliche und festliche Predigt werden: Im nächsten Jahr feiert Hurch nämlich sein 20. Jubiläum im Viennale-Chefsessel.