Tim Burton war nicht der erste Regisseur, der das Trashkino der 50er Jahre in den Adelsstand erhob und ihm eine Hommage in Form seiner schwarzweißen Filmbiografie "Ed Wood" (1994) widmete, um den titelgebenden, vermeintlich "schlechtesten Regisseur aller Zeiten". Aber er hat darin wie kaum jemand davor die Mechanismen des B-Movies erläutert und zugleich gezeigt, wie einflussreich diese Filme auf die Filmgeschichte waren - und bis heute sind.

Nicht umsonst widmet die Viennale ihre heurige Retrospektive dieser vielfach verkannten Filmgattung (ab 26. Oktober im Österreichischen Filmmuseum). Die Schau "The B Movie" unternimmt eine Neubewertung von sogenannten B-Filmen aus den Jahren 1935 bis 1959. Zu jener Zeit war - auch vor dem Hintergrund politischer Umwälzungen - der Bedarf an Unterhaltungsware stark gestiegen, und viele der eilig und billig heruntergekurbelten B-Movies jener Zeit sollten diesen Mangel an Content ausgleichen. Ihren Namen hatten die B-Movies von den in den 30er Jahren üblichen "Double Features" in den US-Kinos, mit denen die Kinobetreiber zunächst versuchten, den Besucherschwund durch die Weltwirtschaftskrise aufzufangen, indem zwei Filme für ein Ticket angeboten wurden. Später war diese Praxis beliebt, weil im Blocksystem die B-Filmware unter die A-Perlen gemischt werden konnten. In diesem System zwangen größere Verleiher die Kinos dazu, deren gesamtes Produktionsprogramm auf der Leinwand zu spielen, und da waren eben auch einige weniger attraktive Filme dabei. B-Movies eben.

B-Movie in Cinemascope: "Auf eigene Faust" (1959) von Budd Boetticher ließ Karen Steele auf starke Frau machen, bot Randolph Scott die Hauptbühne und war Kinodebüt von James Coburn. - © Harvard Film Archive
B-Movie in Cinemascope: "Auf eigene Faust" (1959) von Budd Boetticher ließ Karen Steele auf starke Frau machen, bot Randolph Scott die Hauptbühne und war Kinodebüt von James Coburn. - © Harvard Film Archive

Experimentierfreudig

Die B-Movie-Historie hört keinesfalls im Jahr 1959 auf, sie ging und geht bis heute munter weiter. Die Viennale-Retrospektive fokussiert aber speziell auf die Frühzeit dieser Gattung, weil da ihr einzigartiger Fingerabdruck entstand: Einerseits mussten die Regisseure der B-Movies an allen Ecken und Enden sparen, und das war den Filmen auch anzusehen. Andererseits machte die Not erfinderisch und die Experimentierfreudigkeit war enorm. B-Filme waren die Independent-Filme des starren Studiosystems, die sich etwas trauten, unkonventionelle Erzählformen ausprobieren konnten, weil die Fallhöhe bei Versagen nicht hoch war. Während hingegen bei A-Filmen mit berühmten Schauspielern, aufwendiger Ausstattung und Riesenbudgets nichts dem Zufall überlassen werden durfte, konnten (oder: mussten) die B-Filmer schon mal improvisieren.

Schön zu sehen ist das in Burtons "Ed Wood", wenn er zeigt, wie hanebüchen Ed Wood seine Filme inszenierte: Da hingen die fliegenden Untertassen tatsächlich an sichtbaren Angelschnüren, da kämpfte ein Seeungeheuer mit einem Darsteller, aber es war der Darsteller, der alles bewegen musste an der großen Monsterpuppe. Da verschnitt Ed Wood Material von Bela Lugosi, das er im Vorgarten des schon todkranken Alt-Stars gedreht hatte, in seinen neuen Film; Lugosi war da schon tot, und Wood rühmte sich am Plakat damit, den "letzten Film mit Lugosi" gedreht zu haben. Überhaupt war das Plakat oft wichtiger als das Drehbuch, zugespitzt gesagt. Das Publikum blieb Woods Filmen meistens fern.