• vom 25.10.2018, 20:37 Uhr

Viennale

Update: 25.10.2018, 22:29 Uhr

Filmfestival

Eva Sangiorgi eröffnete erstes Filmfestival unter ihrer Ägide




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Von WZ Online, APA

  • 56. Viennale mit einer Kohorte an Rollendebüts eröffnet.

Mit ein paar Worten auf Deutsch begann Sangiorgi ihre Rede: "Es ist sehrbewegend und eine große Ehre, die Viennale mit meinem Programm zu eröffnen." Sie werde Hans Hurch immer in ihren Gedanken behalten. - © APAweb, Georg Hochmuth

Mit ein paar Worten auf Deutsch begann Sangiorgi ihre Rede: "Es ist sehrbewegend und eine große Ehre, die Viennale mit meinem Programm zu eröffnen." Sie werde Hans Hurch immer in ihren Gedanken behalten. © APAweb, Georg Hochmuth

Wien. Die 56. Viennale ist offiziell eröffnet. Mit der ersten Rede von Neo-Direktorin Eva Sangiorgi fiel am Donnerstagabend im Wiener Gartenbaukino der Startschuss zum größten Filmfestival Österreichs, das nun bis 8. November die Filmfreunde zu 270 Produktionen lockt. Die 40-jährige Sangiorgi folgt auf Viennale-Urgestein Hans Hurch, der im Sommer vergangenen Jahres überraschend verstorben war.

Mit ein paar Worten auf Deutsch begann Sangiorgi ihre Rede: "Es ist sehr bewegend und eine große Ehre, die Viennale mit meinem Programm zu eröffnen." Sie werde Hans Hurch immer in ihren Gedanken behalten.

Die Werke ihrer ersten Festivalausgabe seien formell durchaus verbunden: "Die Filme der Viennale haben gemeinsam eine klare Vorstellung von der Sprache des Kinos." Thematisch gelte für ihr Filmverständnis indes, dass man sich als Zuschauer für die Realitäten der Gesellschaft öffnen müsse - was für Genderthemen genauso wie sexuelle Präferenzen oder die Wiederaufrichtung von Grenzen gelte. Vor allem der Umgang mit flüchtenden Menschen sei eines der Themen unserer Tage - und beschäftige sie in ihrer persönlichen Erfahrung: "Ich sehe mich selbst als ewige Migrantin."

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Gegen die humanitäre Tradition

Und wenn sie auf die heutige Politik in ihrem Heimatland Italien, ihrer langjährigen Wahlheimat Mexiko und ihrer neuen Heimat Österreich blicke, hätten alle ihre Probleme im Umgang mit Migranten: "Die Politik der neuen italienischen Regierung steht gegen die große humanitäre Tradition, die dieses Land immer auszeichnete."

Zugleich erhielt Sangiorgi am Abend höchste Weihen. Der mittlerweile 94-jährige Viennale-Präsident Eric Pleskow, der die Anreise aus den USA ob seines Alters scheute, streute mit Grußworten der neuen Chefin Rosen und freute sich, das in Wien vieles neu sei. Und Geschäftsführerin Eva Rotter blickte auf die vergangene Interregnumsausgabe nach dem Tod von Hurch zurück, sei damals doch alles offen gewesen. Vieles in Wien habe sich seither geändert, der Qualitätsanspruch der Viennale bleibe aber bestehen: "Wir stehen nicht im Wettbewerb mit Berlin, Cannes oder Venedig - können uns in der künstlerischen Bedeutung aber durchaus mit diesen Festivals messen." Mit Eva Sangiorgi beginne dennoch eine neue Ära.

Ebenfall relativ neu im Amt ist Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) die erstmals kurze Grußworte in dieser Funktion ins Gartenbau-Rund schicken konnte. Die frischgebackene Kulturpolitikerin verriet dabei eine Lehre der vergangenen Monate im Amt: "Ich habe gemerkt, es steigert den Beliebtheitsgrad enorm, wenn man sich kurz hält." Dennoch bleibe zu sagen, dass die Viennale gleichsam ein Gegenprogramm gegen die Beschränkungen der heutigen Politik sei: "Es wird hier ein Blick weit in die Welt aufgemacht." Der Raum für Kultur müsse für das Widerborstige, das Sperrige offen sein - und bei der Viennale sei dies der Fall.

Ebenfalls eine Premiere erlebte der heurige Festivaltrailer, der vom philippinische Filmemacher Lav Diaz gestaltet wurde, der bei der Viennale auch mit seinem vierstündigen Musical "Ang Panahon Ng Halimaw" vertreten ist. Für seinen Trailer mit dem Titel "The Boy Who Chose The Earth" beschränkte sich Diaz - der persönlich nach Wien gekommen war - jedoch auf zwei Minuten. Darin erzählt der bereits in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Regisseur die Geschichte eines Buben, der besondere Pläne hat, die im künstlerischen Schwarz-Weiß allerdings sehr abstrakt bleiben (Trailer-Link: www.viennale.at/de/viennale-trailer-2018)

Das dominantere filmische Werk des Abends war indes "Lazzaro felice" von Sangiorgis Landsfrau Alice Rohrwacher. Die Filmemacherin, die dafür in Cannes mit dem Drehbuchpreis geehrt wurde, zollte ebenfalls dem verstorbenen Langzeitchef ihren Respekt: "Ich möchte den Geist von Hans Hurch umarmen."

Zum Ausklang des Einstands war dann noch der traditionelle Empfang des Bürgermeisters im Rathaus am Programm - ebenfalls eine Premiere für den ebenfalls leidlich neu im Amt befindlichen Michael Ludwig (SPÖ). Viele Rollendebüts für das heurige Festival also. Die beste Voraussetzung für frischen Wind bei der Viennale 2018.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-25 20:39:47
Letzte Änderung am 2018-10-25 22:29:19




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