• vom 30.10.2018, 16:35 Uhr

Viennale

Update: 30.10.2018, 16:52 Uhr

Styx

Kammerspiel auf hoher See




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Von Matthias Greuling

  • Die Viennale zeigt Wolfgang Fischers famoses Flüchtlingsdrama "Styx".

Heillos überfordert ist Rike (Susanne Wolff), als sie auf offenem Meer auf Flüchtlinge stößt. - © Filmladen

Heillos überfordert ist Rike (Susanne Wolff), als sie auf offenem Meer auf Flüchtlinge stößt. © Filmladen

Wolfgang Fischer wirft existenzielle Fragen auf.

Wolfgang Fischer wirft existenzielle Fragen auf.© Katharina Sartena Wolfgang Fischer wirft existenzielle Fragen auf.© Katharina Sartena

Als die deutsche Ärztin Rike (Susanne Wolff) mit ihrer Segelyacht bei Gibraltar zu einem Erholungstrip in See sticht, ahnt sie noch nicht, was sie bald erwartet. Das Meeresidyll wird erheblich getrübt, als sie auf offenem Meer ein manövrierunfähiges Boot voller Flüchtlinge entdeckt. Wie soll sie sich verhalten? Eigentlich sollte Rike auf das Boot zusteuern und die Flüchtlinge retten, das sagt ihr ihr Instinkt. Und so fischt sie gleich einen jungen Mann aus dem Wasser, der bereits über Bord gegangen war. Sie kümmert sich um ihn, doch zugleich schrillen die Alarmglocken: Eine Hundertschaft an Flüchtlingen würde wohl auch ihr eigenes Boot zum Kentern bringen - hier beginnt der Zwiespalt: Wen soll und muss Rike retten?

Zwischen Leben und Tod

Information

Viennale-Termine: "Styx" 31.10., 20.30 Uhr, Gartenbau, 1.11., 16 Uhr, Urania
Regulärer Kinostart: 23. November

"Styx" des österreichischen Regisseurs Wolfgang Fischer entlehnt seinen Namen der griechischen Mythologie, wo der Begriff für den Fluss Styx steht, der eine Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten ist. Fischer geht es dabei um die Zuspitzung: "Der Film soll ein allegorisches Drama über unseren Umgang mit Flüchtlingen sein. Im Kleinen erzählt, aber mit der Hoffnung, dass das etwas Größeres über uns ausdrückt. Der Film wirft die Frage auf: Was würde ich denn tun, wenn ich auf hoher See auf einmal einem Flüchtlingsboot begegne?", sagt Fischer.

Das Drehbuch schrieb er schon vor sieben Jahren, damals war von der Migration, wie Europa sie heute erlebt, noch keine Rede. Der Filmemacher als Visionär? "Mich hat damals schon sehr interessiert, wie Flüchtlingsströme entstehen, ich habe bei NGOs und Fachleuten recherchiert, weil mir ein Satz von Peter Scholl-Latour im Gedächtnis haften blieb, der sagte, Migration sei das Thema, das uns die nächsten Jahrzehnte am meisten befassen würde. Ich mag es, mich an Themen zu reiben und sie erst erforschen zu müssen."

Dass man für ein Kammerspiel auf hoher See nicht umgehend eine Finanzierung erhält, ist der Grund, weshalb Fischer das Drama erst jetzt drehen konnte. "Wir waren tatsächlich auf hoher See, denn ein Studio konnten wir uns nicht leisten", so der Filmemacher.

"Styx" entwirft ein moralisches Dilemma, das inzwischen viele Menschen am eigenen Leib kennengelernt haben, die sich mit der Flüchtlingskrise beschäftigen: Die Flüchtlinge mitten im Meer sich selbst zu überlassen, ist keinesfalls eine Option, sie alle zu retten allerdings auch nicht. Dieses Gedankenspiel nehmen die Zuschauer mit aus dem Kino, wenn sie sich auf die "Styx"-Erfahrung einlassen.

Wer wir sein wollen

"Diese Frau sucht ein Paradies, doch auf einmal bricht die Realität über sie herein", beschreibt Regisseur Fischer seine Hauptfigur Rike. "Das Dilemma, wie sie sich in dieser Situation entscheiden soll, wirft Fragen auf: Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Und: Wer müssen wir sein? Das war das Konzept, erzählt aus unserer westlichen Sichtweise."

Für Fischer könne man dieses Konzept aber nicht nur auf Extremsituationen übertragen, wie sie Rike im Film erlebt. Auch die ganz alltägliche Begegnung mit Flüchtlingen in der U-Bahn kann damit gemeint sein. "Die Frage ist: Wie reagieren wir, wenn neben uns in der U-Bahn jemand geschlagen wird? Greifen wir ein oder schauen wir weg? Was das Thema Migration betrifft, steht das Wegschauen in unserer Gesellschaft im Vordergrund. Wir wollen uns nicht involvieren", findet Fischer. Insofern funktioniert sein Film "Styx" auch als Mahnmal und Warnung an unsere Gesellschaft.

Alle Routen nach Europa zu schließen, löse das Problem jedenfalls nicht, meint Fischer. "Dann sterben die Menschen in der Wüste, wo die Kameras nicht hinschauen - doch wir glauben, wir haben das Problem gelöst. Aber geht das wirklich so einfach? Können wir uns das als aufgeklärte Menschen leisten? Ich glaube nicht."





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-10-30 15:58:04
Letzte Änderung am 2018-10-30 16:52:26




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