• vom 08.03.2018, 17:48 Uhr

Vor Gericht

Update: 08.03.2018, 18:50 Uhr

Vor Gericht

"Kleines Feuer" bestellt - große Explosion bekommen




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Von Daniel Bischof

  • Beim Prozess um angeblichen Brandanschlag auf eine Pizzeria zeigen sich die Angeklagten teilgeständig.

Wien. So hatte Herr K. sich das nicht vorgestellt. Unproblematisch hätte alles verlaufen, Geld hätte er bekommen sollen. Stattdessen saß der 43-Jährige am Donnerstag als Angeklagter vor dem Strafrichter. "Ich fühle mich, als wäre ich von den zwei Türken verarscht worden", sagte er.

Gemeinsam mit anderen mutmaßlichen Mitgliedern einer tschetschenischen Bande muss sich K. vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Bandion-Ortner) des Wiener Straflandesgerichts verantworten. Die angebliche Bande soll am 13. März 2017 einen Brandanschlag auf eine Pizzeria in Hollabrunn verübt haben - im Auftrag des türkischstämmigen Lokalbetreibers und seines Neffen, so die Anklage. Das Ziel der beiden Männer sei gewesen, durch den vorgetäuschten Brandunfall 190.000 Euro von der "Wiener Städtischen Versicherung" zu kassieren. Aus formalen Gründen wird der Fall in Wien verhandelt.


K. zeigte sich am Donnerstag teilgeständig. "Das alles bereue ich auch", sagte er gleich zu Beginn, noch sehr nervös. "Ich habe noch keine Vorstrafen, das ist das erste Mal bei mir. Ich bin etwas aufgeregt", erzählte er. Wenige Tage vor dem Brand habe er die beiden Männer über Vermittlung eines Friseurs in deren Lokal getroffen. Die Geschäfte würden nicht gut laufen, die Anrainer und Polizei sie nicht besonders mögen, hätten sie ihm erzählt. Er selbst sei verschuldet gewesen. Daher habe er das Angebot angenommen, für 1500 Euro "einen kleinen Brand" in dem Lokal zu legen, so K.

"Wollten schauen, was passiert"
Mit einem 28-jährigen Tschetschenen ließ er sich von einem weiteren Landsmann zum Lokal chauffieren. Dort seien Benzin und Papiertücher bereit gelegen, sagte K. Es habe aber bereits "komisch" nach Gas und Benzin gerochen, als er mit seinem Kollegen eingetreten sei. Der Fußboden sei zudem rutschig gewesen. Nach dem Verschütten des Benzins habe man das Lokal verlassen, draußen eine Fensterscheibe eingeschlagen und durch das Loch brennende Papiertücher ins Innere geworfen. "Wir sind nicht gleich weggegangen. Wir wollten schauen, was passiert."

Es passierte viel. Kein kleiner Brand, eine wuchtige Explosion war die Folge. Die beiden Männer wurden weggeschleudert, der jüngere schwer verletzt. Pkw und Fensterscheiben in der Nähe wurden beschädigt. Das Portal des Gebäudes wurde aus der Verankerung gerissen. Die über der Pizzeria wohnenden Menschen blieben unverletzt. "Es freut mich wirklich, dass außer uns niemand verletzt worden ist", so K. "Wenn ich gewusst hätte, was da passiert, hätte ich das nicht gemacht."

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Dokument erstellt am 2018-03-08 17:53:39
Letzte Änderung am 2018-03-08 18:50:40


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