• vom 22.03.2018, 14:25 Uhr

Vor Gericht

Update: 22.03.2018, 15:27 Uhr

Schockbilder

Schock, Streit und Schwärzungen




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Von Daniel Bischof

  • Frau erkannte ihren verstorbenen Mann auf Zigaretten-Schockbildern wieder. Sie klagte die "Wiener Zeitung". Chronik eines langwierigen Rechtsstreites. Samt zahlreichen Akteuren.


© Jochen Zick/Picturedesk © Jochen Zick/Picturedesk

Wien. Wer ist der Mann auf den Fotos? In einem Zivilprozess am Handelsgericht Wien dreht sich alles um diese entscheidende Frage. Seit knapp zwei Jahren wird um ihre Beantwortung gerungen. Die Chronik eines langwierigen Gerichtsverfahrens - samt zahlreichen Akteuren.

Mittwoch, 1. Juni 2016: In der "ZiB 2" moderiert Armin Wolf einen Beitrag an. Es gehe um einen "wirklich bizarren Rechtsstreit", sagt Wolf. Im Mittelpunkt stehen die Schockbilder, die sich seit kurzem aufgrund einer EU-Richtlinie verpflichtend auf jeder Zigarettenpackung befinden müssen. Frau Wegerer ist sich "tausendprozentig" sicher: Auf zwei dieser Fotos wird ihr verstorbener Ehemann Franz abgebildet. Dieser wurde 2014 im Wiener AKH wegen eines Gehirntumors behandelt. Gegen seinen Willen sei ihr Mann, der in seinem Leben nie geraucht habe, im AKH fotografiert worden, so Frau Wegerer. Unterstützung bekommt sie von zahlreichen Bekannten, Freunden und Nachbarn. 130 Personen halten auf einer Unterschriftenliste fest, dass es sich bei dem Mann, der auf den Fotos abgebildet ist, um Franz Wegerer handelt.


Die "Wiener Zeitung" (WZ) hatte eines der Bilder bereits am 16. März 2016 in einem Artikel über die EU-Richtlinie veröffentlicht. Es zeigt einen bleichen Mann, der in einem Krankenhausbett liegt und an Schläuche angeschlossen ist. Darüber steht: "Rauchen verursacht Schlaganfälle und Behinderungen." Ein zweites Foto - das nicht von der WZ abgebildet wurde - stellt dar, wie derselbe Mann reanimiert wird.

Im Mai 2016 klagten die Kinder von Franz Wegerer die WZ auf Unterlassung (§ 78 Urheberrechtsgesetz). Die WZ habe durch die Veröffentlichung das Andenken des Verstorbenen verunglimpft und verstoße gegen seinen postmortalen Bildnisschutz, so die Kläger. Mittels einstweiliger Verfügung wollten sie die WZ dazu verpflichten, die Weitverbreitung der Bilder zu unterlassen. Die WZ (vertreten durch Korn Rechtsanwälte) wies das Vorbringen der Kinder zurück: Der Abgebildete schaue Wegerer ähnlich, es handle sich aber um zwei verschiedene Personen.

Streit wandert zum OGH
Im "ZiB 2"-Beitrag beteuert die EU-Kommission, dass es sich keineswegs um Franz Wegerer handle. Der Mann auf dem Foto sei ein Schauspieler gewesen, so die Behörde. Seine Identität könne man aus datenschutz- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht bekanntgeben. Seitens des AKHs heißt es: Das Foto könne gar nicht im Krankenhaus aufgenommen worden sein. Denn: Die abgebildete Ausrüstung wie die Beatmungsschläuche und Wäsche würden "mit Sicherheit" nicht im AKH verwendet werden.

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Dokument erstellt am 2018-03-22 14:29:53
Letzte Änderung am 2018-03-22 15:27:17


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