• vom 04.04.2018, 17:23 Uhr

Vor Gericht

Update: 04.04.2018, 17:37 Uhr

Vor Gericht

"Früher oder später hätte es gekracht"




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Von Daniel Bischof

  • K. soll geplant haben, Anschläge in Deutschland und Österreich zu verüben.

Der Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen: K. soll ein Kind angestiftet haben, hier einen Anschlagsversuch zu unternehmen. - © apa/masterpress/Prosswitz

Der Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen: K. soll ein Kind angestiftet haben, hier einen Anschlagsversuch zu unternehmen. © apa/masterpress/Prosswitz

Wien. Er soll der Staatsfeind Nummer 1, ein Top-Terrorist und hochgefährlich sein: der 19-jährige K., der sich seit Mittwoch vor einem Geschworenengericht des Wiener Straflandesgerichts verantworten muss. K. hat laut Anklage ein Kind dazu angestiftet, einen Selbstmordanschlag im deutschen Ludwigshafen zu versuchen. Auch selbst soll er Attentatspläne verfolgt haben. "Wäre er nicht festgenommen worden, hätte es früher oder später gekracht", so der Staatsanwalt.

So schwerwiegend die Vorwürfe gegen K. sind, so unscheinbar und unauffällig erscheint er vor Gericht. Wie ein durchschnittlicher Jugendlicher wirkt der mutmaßliche Terrorist. Sein Äußeres ist gepflegt, die Haare kurz, kein besonderes Merkmal hebt den 19-Jährigen von der Masse ab. Ganz in Schwarz gekleidet, sitzt er ruhig auf der Anklagebank. Mit unaufgeregter, leiser Stimme beantwortet er alle Fragen.


Doch was geht in dem Kopf des Unauffälligen vor? Was plante er? Handelt es sich bei dem Großteil der Vorwürfe nur um "naives Gebrabbel" und "jugendliche Hirngespinste", wie sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz sagt? Oder wollte K. - so die Anklage - möglichst viele "Ungläubige" mit Anschlägen in den Tod reißen? Über diese Fragen haben die acht Geschworenen zu entscheiden.

K. und der Zwölfjährige
"Wir müssen dankbar sein, dass wir heute hier sitzen und den Prozess führen dürfen", meint der Staatsanwalt. Nur durch Glück seien Anschläge unterblieben. Der Ankläger wirft K. unter anderem die Anstiftung zum Terrormord und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Anklagekomplexe. Einerseits soll K. einen Zwölfjährigen angeleitet haben, eine Nagelbombe auf einem Weihnachtsmarkt im deutschen Ludwigshafen zu zünden.

K. und das Kind hatten über das Internet Kontakt. "K. bestärkte den Zwölfjährigen in seinen radikalen Ansichten", so der Staatsanwalt. Er zitiert dabei ausgiebig aus den sichergestellten Chatprotokollen zwischen den beiden. "Denk doch an die toten Muslime, die kleinen Kinder", schrieb K. etwa dem Zwölfjährigen, nachdem dieser an der Sinnhaftigkeit des Anschlages gezweifelt hatte. "Er hat ihn wieder auf Schiene gebracht", sagt der Staatsanwalt.

Das Kind schlug zudem eine Kirche als Anschlagsziel vor. "K. war damit nicht einverstanden. Er schrieb: ‚Bei euch muss es doch auch Weihnachtsmärkte geben. Viel mehr Menschen dort‘", so der Ankläger. Der Bub versuchte am 26. und 28. November 2016, die Bombe auf dem Markt hochgehen zu lassen. Doch funktionierte sie aufgrund eines technischen Fehlers nicht. Daraufhin deponierte der Bub den Sprengsatz hinter einem Gebüsch, wo ihn die Polizei später sicherstellte.

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Dokument erstellt am 2018-04-04 17:27:03
Letzte Änderung am 2018-04-04 17:37:30


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