• vom 27.04.2018, 16:22 Uhr

Vor Gericht

Update: 27.04.2018, 16:50 Uhr

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Der Elfenbeinsammler




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Von Daniel Bischof

  • 88 Stoßzähne wurden in der Wohnung eines Mannes in Wien gefunden. Am Freitag startete der Prozess gegen ihn.

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). - © afp

Immer wieder werden im Kampf gegen illegale Wilderer beschlagnahmte Elefantenstoßzähne verbrannt (hier in einem Nationalpark in Nairobi). © afp

Der Zoll k onnte in der Wohnung des Angeklagten dutzende Elfenbeinzähne sicherstellen.

Der Zoll k onnte in der Wohnung des Angeklagten dutzende Elfenbeinzähne sicherstellen.© apa/Bmf/Hradil Der Zoll k onnte in der Wohnung des Angeklagten dutzende Elfenbeinzähne sicherstellen.© apa/Bmf/Hradil

Wien. "Ich bin ein Sammler", sagt Herr B. Erzählt er über seine Leidenschaft, gerät er ins Schwärmen. Immer wieder tausche er seine Stücke aus - "so wie andere Bilder wechseln", meint der kahlköpfige Pensionist, der unter seinem schwarzen Anzug ein schwarzes Hemd trägt. Für das Prachtexemplar hat er in seiner Wohnung einen ganz besonders schönen Platz reserviert. "Den Großen stelle ich zur Wand hin. Ich genieße das", sagt er. Wegen seiner Sammlung hat Herr B. am Freitag im Wiener Straflandesgericht auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Denn B. sammelt keine Bilder oder Briefmarken, nein, er ist in Elfenbein vernarrt.

Im November 2016 wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung 88 Elfenbeinzähne gefunden, die insgesamt mehr als 560 Kilo schwer waren. Der Schwarzmarktwert soll bei rund einer halben Million Euro liegen. Es war der größte Aufgriff, den es bisher in Österreich gab - und der zweitgrößte in Europa.


"Gier kannte keine Grenzen"
B. ist von der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verstößen gegen das Artenhandelsgesetz angeklagt. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe. Es ist nicht das erste Mal, dass B. mit der Strafjustiz zu tun hat. 2014 verkaufte er am Gelände des AKHs coram publico zwei Stoßzähne an einen Krankenhausmitarbeiter. Damals hatte er eine Diversion bekommen - bei einer solchen muss der Betroffene etwa einen Geldbetrag zahlen oder gemeinnützige Arbeit leisten, wird aber nicht formell verurteilt.

"B. hat eine erschreckende Obsession mit Elfenbein", sagt Staatsanwalt Bernhard Mascha. "Seine Gier nach Stoßzähnen kannte keine Grenzen." Zwischen 2012 und 2016 habe der Angeklagte die Zähne gekauft und in seiner Wohnung gebunkert, so der Staatsanwalt. Doch stecke hinter "jedem Stoßzahn die Geschichte eines gequälten Tieres". Per Beamer zeigt Mascha Fotos von abgeschlachteten Elefanten. "Männer wie er haben das Blut der Tiere auf ihren Händen."

Der 67-Jährige, der als Masseur arbeitete und aus einem wohlhabenden Elternhaus stammen dürfte, bekennt sich nicht schuldig. Er gibt an, dass er die Stoßzähne von einem befreundeten Ägypter 1979 gekauft hat. Österreich ist dem Washingtoner Artenschutzabkommen, das den Handel mit Elfenbein verbietet, erst 1982 beigetreten. Sollte B. das Elfenbein bereits 1979 gekauft haben, wäre er nicht zu bestrafen. In diesem Fall würde er die Stoßzähne - da das Abkommen damals noch nicht in Kraft war - legal besitzen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-27 16:27:41
Letzte Änderung am 2018-04-27 16:50:26


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