• vom 04.06.2018, 18:48 Uhr

Vor Gericht

Update: 04.06.2018, 21:55 Uhr

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Höchststrafe für Heiratsschwindler




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Von Daniel Bischof

  • Der Häftling manipulierte von seiner Zelle aus Frauen: "Mir war fad." Siebeneinhalb Jahre Haft.

Der Angeklagte schmuggelte ein Handy in seine Zelle - von dort aus webte er sein Netz aus Lügen.

Der Angeklagte schmuggelte ein Handy in seine Zelle - von dort aus webte er sein Netz aus Lügen.© Fotolia/cunaplus Der Angeklagte schmuggelte ein Handy in seine Zelle - von dort aus webte er sein Netz aus Lügen.© Fotolia/cunaplus

Wien. Die Lüge ist Herrn K.s ständiger Begleiter. 24 Mal wurde er schon wegen Betrügereien verurteilt. Er manipulierte einsame Frauen, versprach ihnen eine Beziehung oder gar die Ehe und ließ sich dafür Geld und Wertgegenstände überweisen. Derzeit sitzt er in Graz eine Haftstrafe ab - offizielles Strafende: 2029. Doch selbst im Gefängnis konnte es K. nicht lassen, ein neues Netz aus Lügen zu spinnen. Er schmuggelte ein Handy in seine Zelle, meldete sich auf einer Online-Dating-Plattform an und gaukelte Frauen falsche Absichten vor.

"Ich war im Hochsicherheitsbereich. Mir war fad", erklärte der Angeklagte am Montag am Wiener Straflandesgericht Einzelrichter Andreas Hautz. Der 62-jährige Häftling gab sich im Internet als der 39-jährige "Doktor Rosen" aus. Das Foto eines attraktiven Manns benutzte er als Profilbild. Reich sei er, eine Villa in Döbling besitze er, täuschte K. den partnersuchenden Frauen vor. Zudem sei er auch immer wieder in Syrien. Im Kriegsgebiet helfe er den Armen und Schwachen, unter prekären Umständen führe er Notoperationen durch.


Sieben Single-Frauen in ihren Dreißigern manipulierte K. zwischen Jänner 2017 und Jänner 2018. Er brachte sie dazu, ihm und anderen Personen diverse Sachen zu schicken. "Ein Lederarmband von Liebeskind, Michael Kors Taschen, Michael Kors Geldbörse, Michael Kors Sandalen, Schweinefleisch, ein griechischer Salat, Socken, Unterhosen, ein Blumenstrauß", waren laut einer Liste, aus welcher der Richter vorlas, darunter. Auch haben die Frauen K. Geld auf sein Konto überwiesen, so die Anklage.

"Habe natürlich auch gelogen"
K. bekannte sich teilweise schuldig. Er habe einen falschen Namen benutzt und "natürlich auch gelogen", gab er zu. Ein Betrüger sei er aber nicht. Die Frauen hätten ihm das Geld und die Wertgegenstände nur vorstrecken sollen: "Ich wollte das dann bezahlen."

Zudem habe er die Frauen später immer "über seine richtige Persönlichkeit aufgeklärt". Immer wieder ließ der nuschelnde K. stakkatoartige Redeschwälle los, denen auch Richter Hautz nur schwer folgen konnte. "Das versteht ja kein Mensch", merkte er an einer Stelle an. Als K. über eine der betrogenen Frauen herzog - "Sie war eine theatralische Dame, ich habe sie nicht ausgehalten" -, platzte dem Richter der Kragen.

"Ich sag Ihnen nur: Sie können sich verantworten, wie Sie wollen. Aber wenn es gegen Sie ausgeht und Sie jetzt Menschen diffamieren und demütigen, die schon Betrugsopfer sind: Dann bekommen Sie am Ende die Rechnung von mir präsentiert", sagte der Richter. Seine mahnenden Worte fanden keinen Anklang. Denn wenig später schoss sich K. auf seinen eigenen Sohn ein. Der 21-jährige Sohn durfte mehrere Monate bei einer der betroffenen Frauen wohnen, nachdem er obdachlos geworden war. Die Frau bezahlte dem Burschen auch eine offene Polizeistrafe. Zwischen den beiden kam es zu einem Streit, der Sohn musste ausziehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-04 16:55:12
Letzte Änderung am 2018-06-04 21:55:07


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