Wien. Es war ein Rundumschlag, zu dem Karl-Heinz Grasser am Dienstag ausholte. Gegen die Medien, die Staatsanwaltschaft und ihn belastende Zeugen teilte er bei seiner Angeklagteneinvernahme im Wiener Straflandesgericht aus. "Endlich habe ich die Möglichkeit, die Wahrheit darzulegen", sagte der Ex-Finanzminister am 41. Verhandlungstag des Buwog-Prozesses. Grasser bekannte sich nicht schuldig. Zu Beginn machte er von seinem Recht Gebrauch, eine zusammenfassende Darstellung zu schildern – und gab so in einem stundenlangen Monolog seine Sicht der Geschehnisse wieder.

Sehr schwierig sei es für ihn, als Angeklagter vor Gericht zu stehen, sagte Grasser. "Es ist sicherlich die schwierigste Situation in meinem Leben." Das "völlig unverhältnismäßige Verfahren" habe ihn wirtschaftlich zerstört und seine Frau und sein Kind massiv belastet. Er könne keinen Job bekommen, da ein Blick in Google reiche, um zu sehen, was in Österreich gegen ihn los sei.

Als Verbrecher habe man ihn hingestellt und diffamiert, beklagte Grasser. Vorverurteilt sei er worden. "Es ist mir immer so vorgekommen, dass das Verfahren auf einer schiefen Ebene gegen mich gelaufen ist." Teilweise gesetzwidrig sei das Verfahren gewesen, weil es "öffentlich geführt wurde", so der Ex-Politiker.

"Thesen und Spekulationen"

Auf seine Notizen schaute Grasser während seinen Ausführungen kaum, er sprach weitgehend frei. Oft wandte er sich direkt an die Schöffen, die als Laienrichter gemeinsam mit den Berufsrichtern über seine Schuld und eine etwaige Strafe entscheiden. Sehr gefasst und gut vorbereitet wirkte Grasser, während er sich auf die Anklage einschoss. Bereits während seiner Politikkarriere war er für knackige Sprüche bekannt, nun warf er sich erneut mit aller verbalen Kraft in den Ring.

"Mit der Wahrheit hat diese Anklage nichts zu tun", meinte er. Belastende Fakten gebe es nicht, entlastende Beweise würde die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nicht berücksichtigen. Vielmehr beruhe die Anklage, die ein Kriminalroman sei, auf "Thesen, Spekulationen und Mutmaßungen der Staatsanwaltschaft".

Grasser wird von der Anklagebehörde vorgeworfen, dass er bei der Privatisierung der Bundeswohnungen (Buwog und andere Gesellschaften) im Jahr 2004 insgesamt 2,4 Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben soll. Die Buwog-Privatisierung brachte den ebenfalls angeklagten Walter Meischberger und Peter Hochegger 9,6 Millionen Euro an Provision ein. Sie hatten dem letztlich siegreichen Bieterkonsortium rund um die Immofinanz den entscheidenden Tipp gegeben, wie viel es bieten muss, um den Zuschlag zu erhalten.