• vom 20.06.2018, 06:25 Uhr

Vor Gericht


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Der gefallene Liebling




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Von Daniel Bischof

  • Einst war er der Shootingstar. Nun sagt Karl-Heinz Grasser als Angeklagter aus. Triumph und Tragik eines Aufsteigers.

- © apa/Roland Schlager

© apa/Roland Schlager

In Wolfgang Schüssels Regierung war Grasser der Shootingstar.

In Wolfgang Schüssels Regierung war Grasser der Shootingstar. In Wolfgang Schüssels Regierung war Grasser der Shootingstar.

Wien. Alle waren sie gekommen: Politiker, Wirtschaftsbosse, Journalisten, Schaulustige, Paparazzi. Im idyllischen Weißenkirchen in Niederösterreich fanden sie sich am Samstag, dem 22. Oktober 2005, ein. Ein ganz besonderer Mann hatte zu seiner Hochzeit geladen: Karl-Heinz Grasser, Finanzminister, Medienstar und Publikumsliebling. Als Meister der Inszenierung sollte er seine Gäste nicht enttäuschen.

12.000 Rosenblätter wurden aus einem Red-Bull-Flugzeug über Grasser und seiner Frau Fiona Swarovski abgeworfen. Lächelnd stellte sich das Brautpaar vor der Kirche dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Von einer "sehr romantischen" Hochzeit, die "voller Wärme" gewesen sei, schwärmten die Besucher. Und auch der anwesende Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) verlieh das Prädikat "sehr schön".


An diesem Herbsttag war die Welt für Grasser noch in Ordnung. Die Medien lagen ihm zu Füßen: Die Nachrichtenagentur APA verschickte alleine am Hochzeitstag sechs Meldungen zur Trauung. Als "Liebling der Nation" bezeichnete ihn der ORF damals aufgrund seiner hohen Popularitätswerte. Nichts schien den Höhenflug des eloquenten Kärntners stoppen zu können.

Seine Hochzeit mit Fiona Swarovski war ein Medienevent.

Seine Hochzeit mit Fiona Swarovski war ein Medienevent. Seine Hochzeit mit Fiona Swarovski war ein Medienevent.

Doch knapp 13 Jahre später ist er tief gefallen, der einstige Liebling. Zwar umschwirren ihn an diesem Dienstag, dem 19. Juni 2018, im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Straflandesgerichts erneut die Kameraleute und Fotografen. Doch niemand macht ein Bild von Grasser, dem aufstrebenden Politiker, dem charmanten Shootingstar. Nein, nur Grasser, der Gefallene, der Angeklagte im Buwog-Prozess, ist das Motiv. Längst verschwunden ist der Glanz früherer Tage.

Vom Hochgejubelten zum Gefallen: Die Geschichte Grassers ist eine Geschichte der Extreme, eine Geschichte eines imposanten Aufstiegs und eines noch imposanteren Falles. 1969 in eine Unternehmerfamilie geboren, kostet der junge Kärntner alsbald vom Nektar der Macht. Im März 1992 holt ihn der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als Mitarbeiter in den FPÖ-Parlamentsklub. 1993 ist er bereits freiheitlicher Generalsekretär, 1994 wird er in Kärnten zum zweiten Landeshauptmannstellvertreter gewählt.

Ein kurzes Zerwürfnis

Bilder aus besseren Tagen: Unter seinem damaligen Mentor Jörg Haider begann Karl-Heinz Grassers politische Karriere.

Bilder aus besseren Tagen: Unter seinem damaligen Mentor Jörg Haider begann Karl-Heinz Grassers politische Karriere. Bilder aus besseren Tagen: Unter seinem damaligen Mentor Jörg Haider begann Karl-Heinz Grassers politische Karriere.

1998 zerwirft sich Grasser mit Haider. Grasser dockt beim Autozulieferer Magna an, wo er Konzern-Sprecher wird. Doch sein Abschied von der Politik währt nicht lange. Haider und Grasser versöhnen sich, 2000 wird der 31-jährige Grasser unter Schwarz-Blau zum jüngsten Finanzminister aller Zeiten. Grasser, Experte der Selbstvermarktung, erklimmt rasch die Popularitätsskala. Er ist eloquent, charmant, fesch. Der Minister kommt einfach gut an. Als der perfekte Schwiegersohn wird er vielfach beschrieben.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-19 15:40:38
Letzte Änderung am 2018-06-19 15:48:39


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