• vom 08.10.2018, 17:37 Uhr

Vor Gericht


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Der vergessene Patient




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Von Daniel Bischof

  • Prozessauftakt gegen Krankenpfleger und Heimhilfe. Sie sollen einen älteren Mann vernachlässigt haben.

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum.

Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum.© stock.adobe.com Die Tür zum Zimmer von M. stand immer offen, hinein ging die Heimhilfe aber kaum.© stock.adobe.com

Wien. Als die Sanitäter kamen, war Herr M. nicht mehr ansprechbar. Verwahrlost lag er im verschmutzten Bett der Ehewohnung. Schimmel hatte sich durch die Matratzen gefressen, überall auf dem Körper des alten Mannes hatten sich Wunden gebildet. Zehn Zentimeter lang waren seine Fingernägel. "Der Geruch war so stark, dass wir alle Fenster öffneten. Nach dem Einsatz wechselten wir das Gewand", hielten die Rettungskräfte im Protokoll fest.

Wie es so weit kommen konnte, wird am Montag im Wiener Straflandesgericht thematisiert. Angeklagt sind eine Heimhelferin und ein diplomierter Krankenpfleger, ihnen wird das Vernachlässigen einer wehrlosen Person vorgeworfen. Sie sollen nicht dafür gesorgt haben, dass Herr M. ausreichend betreut wurde bzw. Missstände ignoriert haben. Die Angeklagten bestreiten das.


"Älterer und gepflegter Herr"
Dem alkoholkranken M. war bei einem Krankenhausaufenthalt eine Mischdemenz diagnostiziert worden. Anfang 2015 kehrte er in die Zwei-Zimmer-Wohnung in Wien, wo er mit seiner Frau lebte, zurück. Die damals 71-Jährige ist Diabetikerin und brauchte Unterstützung. Der angeklagte Krankenpfleger - ein Angestellter einer Betreuungseinrichtung - besuchte sie daher im März 2015. Er erstellt Pflegepläne und entscheidet, welche Hilfeleistungen der Patient bekommt.

M. sei ein "älterer und gepflegter Herr" gewesen und habe ihm "normale Antworten" gegeben. "Er und seine Gattin haben mir versichert, dass sie seine Körperpflege übernimmt", schildert der Mann vor Gericht. Nach einigen Minuten sei H. dann ins Bett gegangen, das Gespräch habe er dann mit der Frau fortgesetzt. Diese sei ihm rüstig genug erschienen, sich um die Pflege des Mannes zu kümmern.

Der Angeklagte beschloss, der Frau eine Heimhilfe zu geben. Sechs Mal in der Woche schaute sie täglich für eine Stunde vorbei. "Ich habe nur die Haushaltstätigkeiten gemacht. Rezepte abholen, Geschirr putzen, Einkaufen gehen", sagt die Zweitangeklagte. Die Anklage wirft ihr vor, dass sie die Notlage von M. niemanden gemeldet hat, obwohl sie habe erkennen müssen, wie schlecht es dem alten Mann geht.

"Zum Herrn M. bin ich ganz selten gekommen", sagt sie. Die Tür zu dessen Zimmer sei zwar offen gestanden, doch habe M. immer gebrüllt, wenn sie in seine Nähe gekommen sei. "Seine Frau hat gesagt, ich soll da nicht hineingehen", sagt die Angeklagte. Sie habe geglaubt, dass die "rüstige" Frau die Pflege ihres Mannes übernehme: "Mir wurde gesagt, dass die Gattin das macht."

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Dokument erstellt am 2018-10-08 17:48:36


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