Die Labioplastik, wie die Korrektur der Schamlippen (Labien) genannt wird, zählt inzwischen zu den häufigsten plastischen Eingriffen weltweit – an Platz eins und zwei rangieren jedoch nach wie vor Brust-OPs und Fettabsaugungen.

In Großbritannien verzeichneten plastische Chirurgen im Bereich der Labioplastik einen 300-prozentigen Zuwachs innerhalb von zwei Jahren. Zwischen 2015 und 2016 ließen mehr als 200 minderjährige britische Mädchen ihre Schamlippen operieren, 150 von ihnen waren noch keine 15 Jahre alt, berichtet die BBC und zitiert die nationale Gesundheitsbehörde NHS. Bereits neunjährige Mädchen würden nach dem Eingriff fragen, weil sie das Aussehen ihrer Vulva massiv belaste, sagte die britische Ärztin Naomi Crouch der BBC. In Großbritannien wurde deshalb eine Informationskampagne gestartet, die aufklären und die Vielfalt der Vulven zeigen soll.

Auch in Österreich legen sich immer mehr junge Frauen unters Messer, und manche von ihnen sind noch minderjährig. In seltenen Fällen werden die Kosten sogar von der Krankenkasse übernommen, berichtet die Schönheitschirurgin Andrea Rejzek im Interview mit der "Wiener Zeitung".

Der Eingriff ist risikoarm und dauert etwa zwei Stunden, Patientinnen können noch am selben Tag nach Hause gehen, sagt Rejzek. Ganz anders klingt das in dem Buch "Viva la Vagina": "Wenn man Labien kürzt, entfernt man einen wichtigen und hochsensiblen Teil. Es können Narben zurückbleiben, die permanente Schmerzen verursachen", schreiben die Medizinerinnen Nina Brochmann und Ellen Støkken Dahl. Beim Thema Schönheitschirurgie sind die Fronten verhärtet: Die einen lehnen diese strikt ab, die anderen betonen, ein Eingriff sei die alleinige Entscheidung der Frau.

"Untenrum anders"

"Leute, die das Problem nicht haben, brauchen gar nicht mitreden", sagt Lisa May (Name geändert, Anm.). Nachdem die 28-jährige Werbefachfrau seit zehn Jahren unter ihnen Schamlippen gelitten hat, ließ sie diese vor einem Monat kürzen. Mit 17 Jahren machte sie ihr erster Freund darauf aufmerksam, dass sie untenrum anders aussehe als andere Frauen. "Da war mein Selbstbewusstsein natürlich im Keller", erzählt May. Seither zeigte sie sich nur noch ungern nackt oder im Bikini. Lange Zeit traute sie sich nicht, Hilfe zu suchen – bis sie im Netz fündig wurde.

Gibt man im Internet "Schamlippenkorrekturen" ein, stößt man auf unzählige Chirurgen, die die OP als "Verjüngung des zweiten Gesichts der Frau" anpreisen, die zu einer Steigerung der Lebensqualität führen soll. Man liest, hervorstehende innere Schamlippen wären unangenehm beim Radfahren oder Reiten, und würden zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Medizinisch ist das umstritten, auch die plastische Chirurgin Rejzek sagt: "Die meisten Probleme sind ästhetisch und haben einen psychischen Beigeschmack." Doch dieser Beigeschmack kann so stark sein, dass er alles andere übertönt.

"Die Schamlippen haben sich oft eingezwickt oder beim Sex verstülpt. Es war einfach unpraktisch. Bei mir war es eher dieser Grund als ein optischer", meint May. Obwohl ihre Vulva noch nicht ganz verheilt ist, ist sie froh, dass sie den Eingriff hat machen lassen. Zum ersten Mal fühle sich ihr Intimbereich jetzt "richtig an, vorher war er wie ein Fremdkörper". Sie empfiehlt aber, sich vorab gründlich zu informieren, von wem man sich operieren lässt.