Mays innere Schamlippen waren 2,5 Zentimeter länger als ihre äußeren. Bei den meisten Patientinnen seien es drei oder vier Zentimeter, erzählt Rajzek.

Schamlippen verändern sich

Oft fehlt das Wissen, dass innere Schamlippen die äußeren durchaus überragen dürfen. Die Autorinnen Brochmann und Støkken Dahl führen dieses Missverständnis auf mangelhafte Sexualpädagogik zurück. Denn dort erfährt man zwar, dass während der Pubertät Penis, Brüste und Schamhaare wachsen. Dass sich auch die Schamlippen verändern, stehe in kaum einem Lehrbuch.

Ihr Fazit: "Würden Mädchen schon in der Volksschule lernen, dass sich ihre Genitalien verändern werden, würde es den Trend zur Intimchirurgie vielleicht nicht geben."

Der Gegentrend zur normierten "Designer Vagina" wird derzeit in Büchern und Dokus mit Titeln wie "Viva la Vulva" zelebriert, die das Image des weiblichen Geschlechts aufpolieren wollen. In Berlin boomen spirituell angehauchte Kurse, bei denen sich Frauen, umgeben von Blütenblättern und Räucherstäbchen-Duft, gegenseitig zwischen die Beine schauen und beschreiben, was sie sehen. In Wien sucht man lange, um einen solchen Kurs zu finden. Im Verein "Schwelle" im 15. Bezirk kommen Besucherinnen des "Frauenkreises" mithilfe von Yoni-Massagen mit ihrem Geschlecht in Berührung. Wem das zu New Age ist, sollte sich in der Szene zwischen Kunst und Aktivismus umsehen, die sich mit Häkel-Muschis, Vulva-Galerien auf Instagram und Gipsabdrücken des Themas annimmt.

Auch Feministinnen kennen Selbstzweifel

Die Frauen bei der Abdruck-Session im 17. Bezirk, die meist aus dem queer-feministischen Umfeld kommen, können mit dem Trend zum haarlosen Barbie-Ideal jedenfalls wenig anfangen. Sie klagen ihr Leid, dass sie sich für den Abdruck rasieren mussten.

Doch auch Feministinnen kennen Selbstzweifel: Sie erzählen, sie hätten Jahre gebraucht, bis sie ihre Vulven so akzeptiert haben, wie sie sind. Vielleicht braucht es einfach seine Zeit, bis man soweit ist?

Tabu-Zone Vulva

Wichtig wäre, die Vulva aus der Tabuzone zu holen und endlich über sie zu sprechen. Außer ihrem Partner, der eher gegen die OP war, hat May niemandem von ihren Selbstzweifeln und dem chirurgischen Eingriff erzählt – auch nicht ihrem Gynäkologen oder ihren engsten Freundinnen. Sie sagt: "Es gab Phasen, in denen ich sehr unsicher war. Ich habe mich gefragt: Ist das extrem bei mir, oder ist es normal? Habe ich Freundinnen, die auch so aussehen?" und kommt zu dem Schluss: "Wären Frauen aufgeklärter, würden sie sich in ihrem Körper wahrscheinlich wohler fühlen." Und das vielleicht sogar ohne OP.