Wien. Wenn bei den Grünen mit Lukas Hammer (Greenpeace) und Leonore Gewessler (Global 2000) zwei Kandidaten aus Umweltschutzorganisationen auf aussichtsreichen Listenplätzen für die Nationalratswahl im Herbst kandidieren, sollte das für eine Ökopartei wenig überraschend sein. Tatsächlich kommen aber nur wenige Grüne aus dem Umweltbereich. Das Öko-Label der Partei wurde zu einem Selbstverständnis, das retrospektiv zumindest personell nicht hält.

In Sachen Umweltschutz seien die Grünen in der Vergangenheit "sicher nicht ausreichend sortiert" gewesen, sagt selbst der Bundessprecher der Partei, Werner Kogler. Hammer und Gewessler seien als Profilschärfung zu verstehen und ein eingelöstes Versprechen Koglers aus der Zeit, als er die 2017 darniederliegende Partei übernahm. Damals kündigte Kogler an, die Partei zu öffnen und wieder stärker mit Zivilgesellschaft und NGOs zusammenzuarbeiten. Die Wechsel aus den Umweltorganisationen zu den Grünen hat er selbst angestrebt. Es könnten nicht die letzten gewesen sein, so Kogler. Das klingt nach einer Rückkehr zu den "bunten" Umweltbewegungen in Österreich, aus denen die Grünen einst hervorgingen.

Der Steirer attestiert seiner Partei darüber hinaus, dass sie beim Thema Umwelt wieder "radikaler" werden müsse. Auch beim Tierschutz hätten die Grünen Nachholbedarf.

Zu sehr haftet an den Grünen die öffentliche Wahrnehmung der moralisierenden "Verbotspartei", die sich eher in Diskussionen über politische Korrektheit verliert als sich den ökonomischen Problemen der sogenannten Globalisierungsverlierer zu widmen.Aber auch die Themenführerschaft in Sachen Umwelt verblasste in den vergangenen Jahren immer mehr. Einerseits wurde die Politik insgesamt "ökologischer" gegenüber den 1980er Jahren, womit die Grünen ihr Alleinstellungsmerkmal verloren. Selbst die FPÖ geht nun mit "Klimaschutz ist Heimatschutz" in den Wahlkampf. Andererseits setzten die Grünen in ihren vorerst letzten Jahren im Nationalrat stärker auf Themen wie Bildung und Soziales. Das erscheint logisch, da die meisten Abgeordneten ursprünglich aus diesen Bereichen kommen.

Nur wenige Grüne waren bei Umweltorganisationen

Ein großer Teil der 59 Abgeordneten seit dem ersten Parlamentseinzug der Grünen 1986 war vor der politischen Karriere im Bildungsbereich tätig, darunter Lehrer wie der heutige oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober oder der Ex-Abgeordnete und Vorarlberger Harald Walser. Der ehemalige grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen kam als Professor für Volkswirtschaftslehre von der Universität. Auch im Sozialbereich waren mehr Grüne engagiert als im Umweltsektor, wo sie sich mit Themen wie Gewalt in der Familie, Migranten, Behindertenarbeit beschäftigten.