Kein Wunder, dass Hans Dichand den Wahlerfolg Martins in seinem Kommentar am Montag als die wahre "Sensation" bezeichnete und sich damit selbst auf die Schulter klopfte - "alles andere ist von sekundärer Bedeutung", so Dichand.

Kommunikationswissenschafter Hannes Haas ist davon überzeugt, dass die Dauerpräsenz in der "Kronen Zeitung" Stimmen für Hans-Peter Martin gebracht hat. Die Kontinuität und die Themenführerschaft in der "Krone" seien sicher von entscheidender Bedeutung gewesen - wie viel Prozentpunkte die "Krone" Martin tatsächlich eingebracht hat, sei aber schwer abschätzbar, so Haas. Neben der engen Bindung an die größte Zeitung des Landes habe Martin auch mit dem perfekten Timing für das Erscheinen seines Buchs "Europafalle" gepunktet. Diese Doppelstrategie habe zum Erfolg geführt.

Nicht ganz so sensationell findet Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell das Abschneiden Martins. Mit seiner Liste konnte er gegenüber der vergangenen EU-Wahl zwar 3,9 Prozentpunkte zulegen und erreichte insgesamt 17,9 Prozent. Im Vergleich zur Reichweite der "Kronen Zeitung", die über 40 Prozent liegt, sei das aber nur ein mäßiger Zugewinn. "Hier zeigt sich, dass der Umfang der Macht begrenzt ist".

Laut einer Umfrage des GfK-Instituts waren 70 Prozent aller HPM-Wähler "Kronen Zeitung"-Leser. Am wenigsten wählten die "Krone"-Leser die Grünen, bei denen sie nur sechs Prozent ausmachten, während 67 Prozent der FPÖ-Wähler angaben, die "Krone" zu lesen. Bei den wenigen BZÖ-Wählern machte der Anteil der "Krone"-Anhänger 58 Prozent aus, bei der SPÖ 38 Prozent und bei der ÖVP 30 Prozent.

Dass die "Krone" überhaupt einen Kandidaten derart bevorzugt habe, ist nach Hausjells Ansicht legitim und international üblich. Haas betonte jedoch, dass sich Zeitungen in anderen Ländern dennoch bemühen würden, auch über andere Parteien und Spitzenkandidaten objektiv zu berichten. Laut Hausjell ist das bei der "Krone" nicht geschehen.

Ein Indiz für die Positionierung einer Zeitung ist die Häufigkeit, mit der sie Politiker zu Wort kommen lässt. Hier hatte Martin klar die Nase vorn. Laut einer Präsenzanalyse der APA-Tochter Media-Watch kam Martin von Anfang Mai bis zum Wahlsonntag auf 121 Nennungen, weit dahinter lag Hannes Swoboda (S) mit 89, vor Andreas Mölzer (F) mit 57 und Ernst Strasser (V) mit 43 Nennungen. BZÖ-Kandidat Ewald Stadler und Ulrike Lunacek von den Grünen, die übrigens auch in Dichands Wahlkommentar schlecht wegkamen, lagen mit 29 bzw. 28 Nennungen weit zurück.

Martin hatte aber nicht nur vor den EU-Politikern, sondern auch vor heimischen Polit-Granden die Nase vorn. Auf Platz zwei der Nennungen lag mit 107 FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Kanzler Faymanns guter Draht zu Dichand nutzte offenbar wenig. Der SPÖ-Chef brachte es lediglich auf 59 und damit halb so viele Nennungen wie Martin. Vizekanzler Josef Pröll (V) kam 29 Mal in der "Krone" vor, und Bundespräsident Heinz Fischer wurde von 1. Mai bis 7. Juni 42 mal in der "Kronen Zeitung" erwähnt. (APA)