• vom 17.02.2009, 20:37 Uhr

Österreich

Update: 17.02.2009, 20:38 Uhr

Rolf Holub, Spitzenkandidat der Kärntner Grünen, über Schulden, Voggenhuber und das Aus für Dörfler

Die grüne Pars-pro-toto-Kastration




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Von Wolfgang Zaunbauer

  • Die Grünen wollen ein drittes Mandat.
  • "Kärnten braucht eine Therapie."
  • "Voggenhuber war nicht teamfähig."
  • "Wiener Zeitung": Wer ist Rolf Holub?
  • Rolf Holub: Rolf Holub ist der einzige Spitzenkandidat, der auch 2004 angetreten ist. Da sieht man, wie kurzlebig die Politik ist.

Holub und die Grünen wollen das Land Kärnten notfalls besachwaltern lassen. Foto: apa

Holub und die Grünen wollen das Land Kärnten notfalls besachwaltern lassen. Foto: apa

Wieso kommen die Grünen in den Umfragen nicht wirklich vom Fleck?

Holub und die Grünen wollen das Land Kärnten notfalls besachwaltern lassen. Foto: apa

Holub und die Grünen wollen das Land Kärnten notfalls besachwaltern lassen. Foto: apa Holub und die Grünen wollen das Land Kärnten notfalls besachwaltern lassen. Foto: apa


Kärnten ist halt nicht besonders urban. Wir sind bei sieben Prozent. Ich denke, dass wir acht Prozent erreichen. Damit hätten wir das dritte Mandat. Das ist zu schaffen.

Wo wäre für Sie die Schmerzgrenze?

Wenn ich nach fünf Jahren harter Arbeit weniger habe, als das letzte Mal, dann muss ich mich in Frage stellen.

Womit wollen Sie punkten?

Durch das Proporzsystem sind wir die einzige wirkliche Opposition. Wir haben auch dadurch absolut saubere Hände und die letzten fünf Jahre eine lupenreine Kontrolle gemacht. Das sieht man an den vielen U-Ausschüssen. Aber wir betreiben nicht nur Oppositionsarbeit, sondern bieten auch Vorschläge, was man besser machen müsste. Wir haben die höchste Verschuldung und Armut seit es Kärnten gibt. Dagegen müssen wir etwas tun.

Landeshauptmann Dörfler meint, das seien Investitionen in die Zukunft . . .

Wenn man die Kelag verkauft hat, die Wohnbauförderungsdarlehensforderungen für 700 Millionen Euro an die Hypo verkauft hat, die jetzt der Bayern LB gehört und für die man noch mit 20 Milliarden haftet, wenn das Familiensilber weg ist, dann möchte ich wissen, was das für eine Investition in die Zukunft ist.

Was halten Sie von diesem Zukunftsfonds?

Auf der einen Seite stehen 2,7 Milliarden Euro Schulden, auf der anderen Seite sind 500 Millionen Euro im Zukunftsfonds, von denen schon 330 Millionen verprojektiert sind. Auch die Zinsen sind für die nächsten 15 Jahre verplant. Normalerweise müsste man Kärnten besachwaltern, zumindest das Finanzreferat. Es braucht eine Therapie für die nächsten 20, 30 Jahre, um uns zu entschulden.

Was bieten Sie den Wählern sonst noch an?

Ich biete das Ziel an, energieautark zu werden. Damit kann man bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Klein- und Mittelbetrieben schaffen. Das ist momentan sehr schwierig, weil viele Politiker auf der Payroll der Energiekonzerne sind. Das funktioniert erst dann, wenn die Energiekonzerne die Sonne gekauft haben.

Seit Wochen gibt es massive Diskussionen innerhalb der grünen Partei, Stichwort: EU-Kehrtwende, Voggenhuber, Sexismus. Wie wirkt sich das auf den Wahlkampf aus?

Ich habe es nicht als Kehrtwende empfunden. Wir waren immer EU-kritisch, aber Reformvertrag-affin. Bei Voggenhuber gibt es zwei Aspekte: Die Ressource Voggenhuber in der Europapolitik ist wichtig. Das andere ist das Misstrauen zwischen ihm und dem Vorstand. Wenn man nicht teamfähig ist, dann fliegt man halt aus der Fußballmannschaft. Der Sexismus-Vorwurf kommt vor allem von Männern. Ich glaube, dass es vielen wie eine Pars-pro-toto-Kastration vorgekommen ist. Ich seh das aber nicht so.

Widerspricht die Liste mit zwei Frauen an der Spitze nicht dem grünen Geschlechter-Proporz?

In unseren Statuten heißt es, 50 und mehr Prozent Frauen. Es können auch fünf Frauen vorne sein, aber nie zwei Männer. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit für die letzten 4000 Jahre.

Die Ortstafeln sind in diesem Wahlkampf eine Art Un-Thema.

Das ist nicht wahr. Das BZÖ hat nur zwei Themen: vier kriminelle Asylwerber und zwanzig Ortstafeln. Sie versuchen, mit Emotionen die Probleme zuzudecken. Und die ÖVP versucht hier, die Rechtsparteien rechts zu überholen.

Anderes Thema: Grundsicherung. Kärnten blockiert eine Lösung durch den Bund . . .

Absolut unfassbar, eine Dummheit von Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Eine bundesweite Grundsicherung wäre dringend notwendig - ist ja auch eine grüne Erfindung. Aber er sperrt sich, vergisst, dass es das Verschlechterungsverbot gibt, er versteht es einfach nicht.

Ihre Prognose für den 1. März?

Ich glaube, dass die SPÖ das BZÖ überholen kann. Ich glaube, dass alle dazugewinnen, bis auf das BZÖ. Dann wird es spannend bei der Landeshauptmannwahl. Dörfler ist ein Auslaufmodell. Ich glaube, dass sogar die eigene Partei ihn den Abhang hinunter treibt. Und eigentlich sind ihm die Schuhe ja viel zu groß. Er ist absolut überfordert.

Zur Person

Rolf Holub (52) ist Landesobmann der Kärntner Grünen und sitzt seit 2004 im Kärntner Landtag. Davor war er ein Jahr Gemeinderat in Klagenfurt. Holub ist seit 1974 freischaffender Künstler, Musiker, Kabarettist und Schauspieler.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2009-02-17 20:37:38
Letzte Änderung am 2009-02-17 20:38:00


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