Geschichten wie diese gibt es über den am Heiligen Abend des Jahres 1946 in der kleinen Gemeinde Radlbrunn geborenen ÖVP-Landeschef zuhauf. Widerspricht jemand, kann er leicht poltern und aufbrausen, lässt sich aber gerne mit einem guten Scherz wieder besänftigen. Geraten unangenehme Details an die Presse, lässt der Chef schon mal sein ganzes Team zur Suche der undichten Stelle antreten.

Pröll gilt als traditioneller Machtpolitiker, der mit Leidenschaft absolut regiert. Das war freilich nicht immer so: Seit 1992 im Amt verlor er bei seiner ersten Wahl 1993 die Absolute, musste sich mit der SPÖ arrangieren. 2003 gewann Pröll mit bundespolitischem Rückenwind die Absolute mit 53,3 Prozent souverän zurück. Der an der Universität für Bodenkultur promovierte Agrarökonom ist Berufspolitiker. Schon während des Studiums entdeckte Sixtus Lanner Prölls politisches Talent und holte ihn in den Bauernbund. Mit 33 wurde er Mitglied der Landesregierung, wo er schon in den Achtzigern Umweltthemen forcierte und dabei - damals undenkbar - eine CO 2 -Abgabe forderte. 1992 folgte er Siegfried Ludwig, zu dem ihm stets ein ambivalentes Verhältnis nachgesagt wurde, an der Spitze des Landes nach.

Prölls Auftritte sind stets von hoher Effizienz und Professionalität geprägt. Bei öffentlichen Anlässen reist er nie ohne seine Fotografen durchs Land, die den Landeshauptmann bei den Begegnungen mit den Bürgern fotografieren. Die Fotografie wird diesen dann per Post zugestellt.

Pröll ist verheiratet, hat drei Söhne, eine Tochter sowie Enkelkinder, mit denen er sich gerne öffentlich zeigt. Sein Neffe Josef Pröll ist Landwirtschaftsminister und gilt in der ÖVP-Bundespartei, in der Pröll ein gewichtiges Wort mitzureden hat, als Anwärter für höhere Aufgaben.