Das Motto der noch jungen Obama-Ära scheint zu sein: Kein Tag ohne Obama-Ereignis - und wenn es nur um die Wahl des künftigen Hundes für die Töchter oder den angeblichen "Streit" mit den Geheimdiensten geht, ob er als Präsident seinen geliebten "Blackberry" behalten darf. Auch nach seinem Einzug ins Weiße Haus ist Obama offenbar willens, seine Dauerpräsenz in den Medien fortzusetzen - schrieb die "Washington Post" unter Berufung auf enge Obama-Berater. Eine Kunst Obamas ist es, dass seine rastlosen Aktivitäten zumindest bisher meistens Sinn geben, eine Botschaft senden, kaum Kritik provozieren.

Knapp vor dem historischen Amtswechsel machte sich der 47-jährige Demokrat am Montag im eiskalten, grauen Washington auf, in Sportjacke und grauen Jeans, später auch in Hemdsärmeln, Obdachlosenheime zu besuchen. Er wollte ein persönliches Zeichen setzen am Martin Luther King Day, der in den USA auch als Tag der ehrenamtlichen Arbeit und der sozialen Dienste gilt. Am Morgen hatte er zunächst verwundete US-Soldaten in einem Krankenhaus besucht.

Obama verband seine demonstrativen Bürgeraktivitäten mit einem Appell an die Amerikaner, aktiv zu werden und anderen Menschen zu helfen. Die symbolischen Gesten Obamas sind wohl als Aufforderung an die Amerikaner zu verstehen, die Ärmel hochzukrempeln und Verantwortung zu übernehmen, um die wirtschaftliche und moralische Krise des Landes zu überwinden.