Für die Bewohner der Stadt drückt sich das bereits jetzt in allerlei Ungemach aus: Mehrere Straßen rund um den derzeitigen Wohnsitz Obamas im Hotel Hay-Adams sind gesperrt. An der Pennsylvania Avenue und der Mall - den kilometerlangen Parkanlagen zwischen Kapitol und Lincoln-Gedenkstätte - werden bereits Tribünen und tausende von mobilen Toilettenhäuschen aufgebaut.

Schwiegermutter ins Weiße Haus?

Für Schlagzeilen sorgte am Wochenende die Absicht Obamas, seine Schwiegermutter Marian Robinson mit ins Weiße Haus zu nehmen sowie die Köchin von US-Präsident George W. Bush zu übernehmen. Die Familie Obama erklärte, dass zumindest in den ersten Monaten der Eingewöhnung die Mutter der First Lady im Weißen Haus wohnen wird. Bereits im Wahlkampf hatte sich Marian Robinson häufig um ihre Enkelinnen, die siebenjährige Sasha und die zehnjährige Malia gekümmert. Das Verhältnis zwischen Barack Obama und seiner Schwiegermutter sei "sehr eng und vertraut", berichtete der Fernsehsender MSNBC.

Keineswegs unerwartet entschieden sich die Obamas, die Küchenchefin des Weißen Hauses, Christeta Comerford, zu behalten. Präsidentenwechsel bedeuten in der Regel nicht, dass auch das Personal des Weißen Hauses ausgetauscht wird. Die in den Philippinen geborene Comerford war von Bush 2005 als erste Frau mit der Leitung der Küche des Weißen Hauses betraut worden. Michelle Obama würdigte sie am Freitag als "unglaubliches Talent", die als Mutter einer kleinen Tochter sicher ähnliche Sichtweisen über "die Bedeutung gesunder Ernährung" habe wie sie selbst.

Blick von der Tribüne

Die heiß begehrten Tribünenkarten für die Parade zur Obama-Vereidigung waren am Freitag binnen einer guten Minute übers Internet verkauft worden. Über die Vergabe von 240.000 Karten, die zur Teilnahme an der Inaugurations-Feier unmittelbar vor dem Kapitol berechtigen, soll erst in der kommenden Woche entschieden werden.

Am Freitag konnte schon kurz nach 13.00 Uhr (Ortszeit) das Internet-Unternehmen "Ticketmaster" den Verkauf der 5.000 Karten für die Tribünen-Sitzplätze am 20. Jänner verkünden. Erst am Morgen des Tages hatten die US-Medien angekündigt, dass die exklusiven Karten zum Preis von jeweils 25 Dollar (18,50 Euro) um 13.00 Uhr verkauft werden sollten. Jeder Käufer konnte maximal vier Tickets reservieren.

Die Parade beginnt am frühen Nachmittag im Anschluss an die für 12.00 Uhr Ortszeit (18.00 MEZ) geplante offizielle Vereidigung Obamas auf den Stufen des Kapitols. An der Parade selbst nehmen etwa 13.000 Menschen teil. Hunderttausende werden die 2,7 Kilometer lange Strecke auf der Pennsylvania Avenue zwischen Kapitol und Weißem Haus säumen. Nur die Zuschauer auf der Tribüne können im Sitzen den Zug von Kapellen, Militär-Verbänden, Vereinen und anderen Gruppen verfolgen.

Bei der Vereidigung von US-Präsident George W. Bush im Jänner 2005 hatte es noch 20.000 Tribünenplätze gegeben. Nach einer Klage der Anti-Kriegs-Organisation "Answer Coalition" wurden der "Washington Post" zufolge die Zuschauertribünen drastisch verkleinert. Die Kläger hatten kritisiert, dass die Aufbauten den stehenden Zuschauern und Demonstranten Platz und Sicht raubten. Bezirksrichter Paul Friedman hatte demnach im März 2008 den Klägern Recht gegeben und bemängelt, dass nur Bush-Anhänger Tribünenkarten erhalten hatten. "Die Vereidigung ist kein privates Ereignis", so der Richter laut der "Washington Post".

Dreibeiniger Sessel aus Kenia

Anreisen wird auch die große kenianische Verwandtschaft von Barack Obama. Sarah Obama, die 87 Jahre alte Stiefgroßmutter des ersten schwarzen US-Präsidenten, traf am Sonntag aus ihrem Heimatdorf Kogelo in Nairobi ein und will mit mehreren Mitgliedern des Familienclans am Freitag nach Washington fliegen, berichtete die Zeitung "The Standard" am Montag.

Als Geschenke wollen die Obamas ihrem berühmten Verwandten unter anderem einen dreibeinigen Sessel mitbringen, auf dem traditionell die Stammesältesten der Luo sitzen. Dieser Volksgruppe gehörte Obamas kenianischer Vater an. Einen Speer muss Oma Obama allerdings zu Hause lassen, hieß es: Für die Sicherheitsbedingungen auf dem Flug in die USA sei dieses Mitbringsel einfach zu kriegerisch. (Reuters/APA)