Zu Axelrods Klienten zählen auch Richard Michael Daley - der am besten Weg ist, seinen Vater als längstdienender Bürgermeister von Chicago zu übertreffen - und Rahm Emanuel, der nach Obamas Wahlsieg nun dessen Stabschef im Weißen Haus wird. Auch seine Geschichte ist vom rauen Klima in Chicago geprägt. Einem politischen Gegner soll Emanuel nach einem Streit einmal einen toten Fisch zugesandt haben. Bei einem Abendessen in Washington soll er ein anderes Mal eine feurige Rede gegen die Republikaner damit beendet haben, dass er sein Messer in die Tischplatte rammte.

Zumindest verbal nicht minder zimperlich ist der Pastor Jeremiah Wright Jr. aus der berüchtigten Chicago Southside, der seit Jahrzehnten mit Obama befreundet ist. Der schwarze Bürgerrechtler hat Obama getraut und seine Kinder getauft. Im Präsidentschaftswahlkampf wurden seine USA-kritischen Hass-predigten jedoch für Obama untragbar.

Distanzierung vonextremem Prediger

Nachdem Wright wieder einmal eine seiner "God-damn-America"-Reden (Gott verdamme Amerika) gehalten hatte und damit unrühmlich in die Medien gelangt war, distanzierte sich Obama von dem Geistlichen in einer als historisch gefeierten Rede über Rassismus. Gleichzeitig erklärte er jedoch, dass Wrights Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen worden seien und somit ein verzerrtes Bild an die Öffentlichkeit geraten sei.

Ganz wohl wird Obama bei seiner Distanzierung wohl nicht gewesen sein, schließlich gilt der Pastor als einer seiner politischen Ziehväter. Dennoch: So gern Obama seine Freunde und Helfer aus Chicago nach Washington mitnimmt, so froh dürfte er sein, manches aus seiner Vergangenheit dort zurückzulassen.

Doch geformt hat ihn diese Stadt auf jeden Fall, sagt Jerry Kellman, der Obama vor 20 Jahren für Gemeindearbeit von New York nach Chicago geholt hat: "Ohne Chicago wäre Obama nicht dort, wo er jetzt ist. Erst dort hat er diese unglaubliche realpolitische Bildung erhalten. Sein Idealismus wurde sehr schnell besänftigt durch Realismus und Sachlichkeit."