Das Obama-Team hatte am Wochenende angekündigt, etwa 200 Verfügungen der Bush-Regierung nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten sofort rückgängig zu machen. Dabei werde eine intensive Bewertung von Entscheidungen der Bush-Regierung vorgenommen werden, sagte John Podesta am Sonntag. Der ehemalige Mitarbeiter des früheren Präsidenten Bill Clinton führt ein Team an, das den Regierungswechsel vorbereitet.

"Senator Obama wollte alle Bush-Entscheidungen überprüft haben und entscheiden, welche beibehalten, welche widerrufen und welche verändert werden sollten - und dies geschieht zur Zeit", sagte Podesta. Laut einem Bericht der "Washington Post" vom Sonntag haben Mitarbeiter Obamas eine Liste von Verfügungen zusammengestellt, die zurückgenommen werden sollen. Darunter seien etwa Maßnahmen zum Klimawandel, Stammzellen-Forschung und Abtreibungsregularien. Umgekehrt will die Bush-Regierung der "New York Times" zufolge in letzter Minute etwa beim Umweltschutz oder der Energiepolitik noch eine ganze Reihe von Verfügungen auf den Weg bringen.

Unterstützung für seine Pläne für einen Wandel hat Obama vom Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger erhalten. "Was auch immer er von uns braucht, als Staat werden wir mit ihm zusammenarbeiten", sagte der Republikaner gegenüber CNN.

In seinem Wahlkampf hatte Obama seinen republikanischen Konkurrenten John McCain immer wieder mit der Politik von Bush in Verbindung gebracht, die er als gescheitert bezeichnete. Bush hatte zwar McCain unterstützt, würdigte dann aber den Sieg Obamas, der nun als erster Schwarzer ins Weiße Haus einzieht, als Triumph der Geschichte Amerikas. Er lud Obamas Familie herzlich ins Weiße Haus ein. Obama dankte für die Einladung und machte deutlich, dass es derzeit nur einen Präsidenten in den USA gebe, und das sei Bush. Auch die derzeitige und die künftige First Lady, Laura Bush und Michelle Obama, sollten zu einem privaten Treffen zusammenkommen.

Historischer Moment

Die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten ist für den britischen Schriftsteller John le Carré eine außergewöhnliche Chance, die Welt grundlegend zu verändern. "Es ist ein historischer Moment wie einst der Fall der Berliner Mauer", sagte der 77-jährige Spezialist für Spionage-Romane und Diplomat. Damals sei die Chance zum Wandel vertan worden, weil die Spitzenpolitiker der Herausforderung nicht gewachsen gewesen seien. Heute gebe es neue Hoffnung: "Wir glauben jetzt, dass wir eine Stimme haben in Obama, einen großen Staatsmann."