Pop-Ikone Barack Obama: Eine Studentin feiert den Sieg ihres Idols in der Nähe des Weißen Hauses. Foto: reuters
Pop-Ikone Barack Obama: Eine Studentin feiert den Sieg ihres Idols in der Nähe des Weißen Hauses. Foto: reuters

Zum Leidwesen von John McCain war es nicht Joe Wurzelbacher, der Archetyp eines amerikanischen Installateurs, der die Wahl entschied: Zwar erhielt der Republikaner bei weißen Arbeitern den stärksten Rückhalt, den letztlich wahlentscheidenden Ausschlag gaben diesmal aber vor allem Jung- und Erstwähler, Frauen, Schwarze und Hispanics, die sich überproportional für Barack Obama erwärmen konnten. So entschieden sich 95 Prozent der schwarzen Wähler und zwei Drittel der Latinos für den Demokraten. Angesichts dieser Zahlen hätte John McCain bei der immer noch vorherrschenden Wählergruppe der Weißen einen Erdrutschsieg einfahren müssen, um Obama noch abfangen zu können - die 55 Prozent der Weißen, die landesweit für ihn stimmten, waren dafür allerdings zu wenig.

Ohnehin geht der Anteil der Weißen an der Wählerschaft generell zurück - von 81 Prozent im Jahr 2000 auf nur mehr 74 Prozent in diesem Jahr. Dazu kommt, so der deutsche Soziologe Klaus Hurrelmann, dass klischeehafte Vorstellungen und Ängste in der jungen Generation weniger ausgeprägt seien. Jüngere reagierten nicht so stark auf die Hautfarbe eines Kandidaten. Der Soziologe meinte, Barack Obama habe mittels einer bildhaften Sprache jenen jungen Amerikanern, die in den vergangenen Jahren auf Distanz zum politischen System gegangen seien, "aus der Seele gesprochen". Ihm sei es gelungen, sich als Persönlichkeit vom misstrauisch beäugten politischen Apparat abzuheben. Von den Erstwählern stimmten fast 70 Prozent für Obama. Die Entscheidung John McCains, die konservative Gouverneurin Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin zu nominieren, wirkte sich übrigens zwiespältig aus: Palin mobilisierte zwar die republikanische Parteibasis für McCain, schreckte aber viele potenzielle Wechselwähler ab.