Obama neigt nicht zu dramatischen Veränderungen, analysiert Ronald Hrebenar. Foto: Erwin Giedenbacher/ U.S. Embassy Vienna
Obama neigt nicht zu dramatischen Veränderungen, analysiert Ronald Hrebenar. Foto: Erwin Giedenbacher/ U.S. Embassy Vienna

Ronald J. Hrebenar: Also ich würde darauf tippen, dass das ein Versprechen ist, das nicht gehalten werden wird. Das ist eine der Sachen, die eigentlich jeder Kandidat sagt, um die jüdische Gemeinde für sich zu gewinnen, zumal in Florida. Ich glaube nicht, dass es hier einen signifikanten Richtungswechsel in der Politik geben wird.

Die ganze Welt wartet auf einen Wandel hin zum Multilateralismus .. .

Den wird es geben.

Wie steht es um die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen?

Hier wird es eine bedeutende Verbesserung geben, das sieht man alleine schon an seinem Beraterstab. Aber bei einem dermaßen niedrigen Ansatzpunkt ist das auch nicht sonderlich schwer. Die Demokraten glauben generell an die Vereinten Nationen und Multilateralismus, während es die Republikaner nicht tun.

Wird das Gefangenenlager in Guantánamo bald geschlossen werden?

Es wird geschlossen werden, ja, aber in einem vernünftigen Zeitrahmen. Obama wird zwar im Gegensatz zu Bush ziemlich schnell daran gehen. Aber das alte Problem Bushs bleibt: Wir würden das Lager gerne schließen, aber wissen nicht, wohin mit den letzten verbleibenden Insassen.

Obama hat angekündigt, mit Truppen nach Pakistan gehen zu wollen.

Ich glaube, er hat über mögliche Angriffe in Pakistan gesprochen, wenn sie dort Bin Laden oder Al-Kaida-Ziele sehen, die nicht von den pakistanischen Truppen angegriffen werden. Es ging dabei nicht um eine Invasion oder Stationierung von Truppen.

In Afghanistan beabsichtigt Obama die Truppen aufzustocken.

Es ist eine interessante Überlegung, ob mehr Truppen überhaupt nützlich wären, ob sie effektiv wären, oder ob man sich damit wieder in ein Swant (spezielle Waffen und keine Taktik, Anm.) stürzt. Das wird er vielleicht noch einmal überdenken müssen. Obama hat zwar gesagt, dass er die Truppen aus dem Irak abziehen und nach Afghanistan verschieben will. Ich bin zwar nicht völlig davon überzeugt, dass das auch wirklich passieren wird, aber es ist nun einmal seine offizielle Position. Die meisten Militärs, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass das nicht ein Krieg ist, den man mit mehr Streitkräften gewinnt, sondern mit mehr Ausgaben und Restrukturierung der afghanischen Wirtschaft. Ich bemerke eine zunehmende Übereinstimmung darüber, dass es keine logische militärische Option in Afghanistan gibt.