Dabei hat McCain einen Ruf als Stehaufmanderl. Das eine ums andere Mal lag das "Comeback-kid" schon angezählt am Boden, rappelte sich wieder auf und trug am Ende den Sieg davon. Doch diesmal sieht es schlecht aus und McCain liegt völlig zerstört am Boden, während der Schiedsrichter bereits die Neun gezählt hat.

Einer der Gründe für die drohende Niederlage ist die Wirtschaftskrise, die McCains schlagkräftigstes Argument - die Sicherheit - verdrängt hat. Ronald J. Hrebenar, Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Utah, ortet das Problem in McCains Beraterstab, der nicht in der Lage sei, mit einer Wirtschaftskrise umzugehen.

"John McCain hat als Kandidat im Jahr 2007 ein miserables Team gehabt. Diese Gruppe wurde dann gegen die Leute von Präsident George Bush ausgewechselt, die sehr gut sind", sagte Hrebenar im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das hatten sie bereits in den Jahren 2000 und 2004 bewiesen, indem sie Bush ins Präsidentenamt hievten. Auch für McCain haben sie "eine ziemlich gute Kampagne gemacht, die auf Angst, Terrorismus und Krieg basierte. Das Team ist aber nicht ausgesprochen gut in Zeiten einer Wirtschaftskrise". Hier hätten es die McCain-Berater nicht geschafft, sich mit Lösungen, Strategie und Taktik vorteilhaft aufzustellen.

"Niemand hat Angst davor, dass Obama ein Sozialist sein könnte, wenn rundherum alles auseinanderfällt und McCain nicht mit einer kohärenten Lösung aufwartet, wie man mit der Wirtschaftskrise umgehen kann", erklärte Hrebenar.

Hochburgen derRepublikaner gefährdet

Doch nicht nur im Kampf um das Präsidentenamt blüht den Republikanern ein Debakel. Auch bei den gleichzeitig stattfindenden Kongresswahlen stehen die Demokraten vor einem Erdrutschsieg. Bis zu 33 Sitze im Repräsentantenhaus und 9 im Senat könnten die Republikaner verlieren. Für die Demokraten würde das eine komfortable Mehrheit von 60 zu 40 Sitzen im Senat und von 266 zu 169 Sitzen bedeuten. Einst republikanische Hochburgen wie Alaska, Georgia oder Minnesota stehen vor dem Fall.

Auch in den eigenen Reihen verlässt man bereits das sinkende Schiff. Colin Powell, General, Ex-Außenminister und Freund von John McCain, hat das Lager gewechselt und unterstützt nun Konkurrent Barack Obama. Ebenso verhält sich der ehemalige Bush-Sprecher Scott McClellan. Nicht einmal Ex-Außenminister und Partei-Urgestein Henry Kissinger glaubt noch an einen Sieg McCains. Und als ob das noch nicht genüge, zieht sogar dessen Vize, Sarah Palin, eine Niederlage in Betracht und verkündet, dass sie auch dann der Bundespolitik erhalten bleibe.