Die meisten Staaten sind für die Wahlkämpfer eher uninteressant: Sie neigen traditionell zu einer bestimmten Partei und verfügen lediglich über eine geringe Anzahl an Wahlmännern. Typische Beispiele hierfür sind das republikanische South Dakota, das drei der insgesamt 270 Wahlmänner stellt und das demokratische Delaware mit ebenso vielen Wahlmännern.

Auch die fettesten Staaten sind mehr oder minder uninteressant, weil sie bereits fix einer der beiden Parteien zugerechnet werden: Kalifornien (55 Wahlmänner) und New York (31) sind demokratisch, Texas (34) republikanisch.

Spannend wird es erst, wenn Staaten eine ausgeglichene Wählerlandschaft haben, der Staat also jedem der beiden Kandidaten zufallen könnte. Bis zu 14 Staaten sind heuer die sogenannten Battleground-States, die Schlachtfeld-Staaten. Stellen diese dann auch noch mehrere Wahlmänner, dann ist dort ein erbarmungsloser Showdown zwischen den Kandidaten garantiert. Zu diesen traditionell entscheidenden Staaten zählen Ohio (20), Florida (27) und Pennsylvania (21). Drei Viertel ihres Wahlkampfgeldes pulvern die Kandidaten in diese drei Staaten. Gilt es doch als sicher, dass derjenige, der zwei dieser Staaten gewinnt, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird.

"Wie Ohio wählt,wählt die Nation"

Glaubt man an Statistiken, müsste McCain dabei auf jeden Fall Ohio gewinnen. Schließlich ist seit 1860 noch nie ein Republikaner Präsident geworden, der nicht in diesem Staat gewonnen hat. Seit 1964 hat jeder, der in Ohio gewann, auch das Weiße Haus erobert. In den USA hat man dafür bereits ein eigenes Sprichwort: "So goes Ohio, so goes the nation" ("So wie Ohio wählt, wählt die Nation").

Für die Bevölkerung der drei Entscheidungsstaaten bedeutet das vor allem eines: Einen schier unmenschlichen Werbehagel bis zur letzten Sekunde der Wahl. Dafür dürfen sie sich im Gegensatz zu den uninteressanten Staaten darüber freuen, dass auch das kleinste ihrer Anliegen sorgfältigst behandelt wird.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama ist in den drei Staaten gut aufgestellt. Letzten Umfragen zufolge führt er in Pennsylvania klar mit sechs Prozentpunkten vor seinem republikanischen Rivalen John McCain und in Ohio knapp mit drei Prozent. Auch in Florida kann er einen Drei-Punkte-Vorsprung halten. Dennoch wird hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Zusätzlich konnte Obama noch einen Vorsprung in Staaten herausholen, die seit Jahren republikanisch sind: Virginia und North Carolina. Niemand hält unter diesen Umständen noch einen Sieg für McCain ernsthaft möglich - eine Mehrheit schon gar nicht. Dennoch sorgt das amerikanische Wahlsystem weiter für Spannung. Denn holt McCain in den drei wichtigen Staaten noch auf, ist alles möglich. Und vielleicht liegt genau darin auch das Schöne am amerikanischen System: Garantierte Spannung bis zum Schluss.