Ein Wahlplakat für Obama in Washington. Foto: epa
Ein Wahlplakat für Obama in Washington. Foto: epa

Ganz anders die Stimmung bei seinem demokratischen Kontrahenten. Barack Obama konnte seinen Abstand zu McCain laut jüngsten Umfragen erneut ausbauen und feilt laut "Washington Post" bereits an einer Kabinettsliste. Dass am Wochenende auch noch der republikanische Ex-Außenminister und frühere Oberkommandierende der US-Streitkräfte, Colin Powell, öffentlich eine Unterstützungserklärung für Obama abgab, bedeutete für McCain einen weiteren Tiefschlag.

Denn damit sprach ein anerkanntes Ex-Mitglied der Bush-Administration Obama das zu, was McCain ihm stets in Abrede stellte: Dass nämlich der demokratische Bewerber durchaus das Zeug und genügend Erfahrung mitbringt, um es besser zu machen. "Ich glaube ganz fest, dass wir in diesem Moment der amerikanischen Geschichte einen Präsidenten brauchen (.. .), der nicht einfach die Politik weiterführt, die wir in den vergangenen Jahren verfolgt haben", polterte Powell in einem Interview in der NBC-Sendung "Meet the Press". Als ausschlaggebend für seine Entscheidung, übernächsten Dienstag für Obama zu stimmen, nannte er die US-Wirtschaftskrise und die Ernennung Sarah Palins zu McCains Vizekandidatin.

Diese hatte zuletzt versucht, Obama zu diskreditieren, indem sie ihm linksradikales Gedankengut unterstellte. Mittlerweile plagen die Gouverneurin von Alaska aber ganz andere Sorgen: Sie muss noch in dieser Woche in einem gegen sie laufenden Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs in Zusammenhang mit der Entlassung eines hohen Polizeibeamten aussagen.

Dies und Powells herzhaftes Bekenntnis zu Obama bescherten den Demokraten einen neuen Höhenflug. Die Popularitätswerte für den schwarzen Senator von Illinois erreichten am Montag erstmals die psychologisch wichtige 50-Prozent-Marke. McCain lag bei den Umfragen von Reuters, C-Span und Zogby mit 44 Prozent weit abgeschlagen dahinter. Auch die US-Presse stellte sich mehrheitlich hinter Obama - sogar die traditionell Republikaner-nahe "Chicago Tribune" zog diesmal mit.

McCain ging derweil mit einer neuen Strategie in die Offensive: Er verteufelte Obamas Pläne, die Reichen zugunsten ärmerer Bevölkerungsschichten steuerlich zu belasten, auf einer Wahlkampfveranstaltung als Modell einer sozialistischen Umverteilungspolitik. Dass er damit Terrain zurückholt, ist aber fraglich.