Befragt zu dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan, den die scheidende Regierung von George W. Bush für notleidende Banken plant und über den Republikaner und Demokraten im Kongress streiten, sagte Obama: "Wir haben den genauen Wortlaut noch nicht gesehen." McCain bekräftige immer wieder, oberstes finanzpolitische Ziel der Regierung sei die Ausgabenbegrenzung. So sprach er sich für einen Ausgabenstopp in allen Bereichen außer der Verteidigung, der Veteranenversorgung und der Pensionszahlungen aus. Obama erklärte, das sei so, als ob der Arzt statt des Skalpells ein Beil zur Heilung des Patienten benutze.

Kommentatoren im US-Fernsehen waren sich uneinig, wer als Sieger aus der Debatte hervorging. Immer wieder versuchte der 72-jährige McCain, seine lange politische Erfahrung zu bekräftigen. "Ich glaube nicht, dass Obama über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügt", sagte er zum Abschluss der Debatte über seinen 47 Jahre alten Kontrahenten. Dagegen verwiesen TV-Beobachter darauf, dass Obama in der 90-minütigen Debatte mehrfach "Senator McCain hat Recht" sagte - dies sei eine klare Schwäche des schwarzen Senators gewesen.

Die Debatte am Freitagabend (Ortszeit) in der Universität von Mississippi in Oxford - die erste von drei Redeschlachten bis zum Wahltag am 4. November - stand im Schatten der schweren Finanzkrise in den USA. Beide Kandidaten betonten zwar ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Krisenlösung. Obama machte zugleich aber die achtjährige Politik der Regierung Bush und deren Unterstützung durch McCain für die derzeitige Misere auf den Finanzmärkten mitverantwortlich. "Das waren acht Jahre verfehlter Politik, die von Senator McCain unterstützt wurde." Umfragen zufolge trauen die meisten Amerikaner Obama mehr Kompetenz in der Wirtschaftspolitik zu. Er konnte daher in den vergangenen Tagen wegen der Finanzkrise in den Umfragen deutlich zulegen. McCain hatten Kritiker demgegenüber mangelnde Wirtschaftskompetenz vorgeworfen, was in der Debatte aber kaum zum Tragen kam.

In der Außenpolitik nannte McCain Obamas Plan für einen Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten "gefährlich". Er hob zugleich die Fortschritte im Irak hervor, die der Demokrat nicht anerkennen wolle. "Er (Obama) weigert sich zuzugeben, dass wir im Irak gewinnen", sagte der Republikaner. Die Entsendung von weiteren 30.000 Soldaten, mit denen es gelungen sei, die Gewalt im Irak deutlich einzudämmen, habe Obama nicht unterstützt. Mehrfach sprach McCain Obama generell die Kompetenz in Sicherheits- und Außenpolitik ab.

Obama, der sich gegen diesen Vorwürfe eher schwach zur Wehr setzte, bekräftigte seine Ansicht, dass der Irak-Krieg von Beginn an ein Fehler gewesen sei und dass er (Obama) ihn von Anfang an abgelehnt habe; McCain habe dagegen 2003 für den Krieg gestimmt. Zudem habe der Irak-Krieg zu einer Vernachlässigung des Kampfes gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan geführt und habe das US-Militär davon abgehalten, Terrorführer Osama bin Laden zu verfolgen.

Zum heftigsten Schlagabtausch kam es beim Thema Iran. Obama bekräftigte seine bereits im Vorwahlkampf geäußerte Absicht, sich notfalls auch mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad an einen Tisch zu setzen. "Als Präsident werde ich für mich das Recht in Anspruch nehmen, mich mit jeder Person meiner Wahl zu treffen, wenn es der Sicherheit des Landes dient", sagte Obama. McCain nannte dies nicht nur "naiv, sondern auch gefährlich".

Beide Kandidaten gingen mit unterschiedlichen Zielen in die Debatte: Der jung und dynamisch wirkende Obama muss die Wähler davon überzeugen, dass er als Präsident auch die Rolle eines Oberkommandierenden der Streitkräfte übernehmen kann. Und angesichts der Finanzmarktkrise muss er zeigen, dass er auch die Nöte der einfachen Menschen versteht, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und die ihn bisher in den Vorwahlen kaum unterstützt haben. McCain, der sich bisher als erfahrener Politiker präsentierte, muss sich von der bisherigen Politik der Bush-Administration distanzieren.

McCain rückte erst kurz vor Beginn der Sendung von seiner ursprünglichen Forderung ab, dass er erst nach einem erfolgreichen am Abschluss der Verhandlungen zwischen Regierung und Kongress über das Finanz-Rettungspaket an einer solche Debatte teilnehmen könne. Obama hatte dies als politisches Manöver kritisiert. Moderator der Debatte war der Journalist Jim Lehrer (74) vom öffentlichen TV-Sender PBS, der bereits viele Präsidentschaftsdebatten geleitet hat. Bis zum Wahltag werden Obama und McCain noch zweimal - das nächste Mal am 7. Oktober - zusammentreffen. Auch die beiden Vize-Kandidaten Joe Biden und Sarah Palin werden im Fernsehen debattieren. (APA)