Damit, dass der am Vortag durch Hurrikan "Gustav" ferngehaltene Bush seine Ansprache lediglich per Satellit aus dem Weißen Haus übermittelte, hatte dies gewiss nichts zu tun. Direkt oder aus der Ferne: Fernseh-Kommentatoren waren sich sofort darin einig, dass hinter dieser Parteitagsinszenierung eine klare Botschaft steckte.

Nicht mit dem Gedanken an eine Assoziation McCains mit dem unpopulären US-Präsidenten sollten die Delegierten und Fernsehzuschauer an diesem Abend ins Bett geschickt werden, sondern mit dem Eindruck, dass ihr Kandidat eben nicht das ist, was die Demokraten sagen: ein verlängerter Arm von George W. Bush. Und so sollten es vor allem die Medien vermitteln, in ihren Morgen-Shows am Mittwoch, die viele Amerikaner beim Zähneputzen und Kaffeetrinken einschalten.

So schwärmte denn Lieberman, McCain sei ein Mann mit dem Mut, sich nicht von der öffentlichen Meinung beeinflussen zu lassen. Ins selbe Horn stieß Ex-Senator Fred Thompson: "Dieser Mann, John McCain, lässt sich nicht von Meinungsumfragen einschüchtern oder von dem, was politisch populär ist." Sogar Bush ließ sich nicht lumpen. Aus dem fernen Weißen Haus würdigte er McCain zwar als strammen Beschützer Amerikas, Terrorbekämpfer und Irakkrieg-Befürworter, zugleich aber auch als einen unabhängigen Denker, der keinen Hehl daraus mache, wenn er anderer Ansicht sei.

Das Bemühen, sich vom Amtsinhaber diskret zu distanzieren, war an diesem Abend immer wieder deutlich zu spüren und zu sehen - und der Spagat, den McCain dabei zu absolvieren hat. Denn so sehr er auch vermeiden muss, dass Bush bei der Wahl am 4. November für ihn zu einem Mühlstein am Hals wird, gilt es für ihn zugleich, die konservative Basis zu befriedigen. Das taten die Parteitagsstrategen am Dienstag, indem sie ihr Programm unter das Motto "Dienst am Vaterland" stellten und damit auf McCains Stärke abzielten: Selbst parteiinterne Kritiker, die den Vietnamkriegsveteranen und ehemaligen Kriegsgefangenen nicht für konservativ genug halten, sehen in ihm doch den großen Patrioten, einen entschlossenen Beschützer Amerikas und den besten Oberbefehlshaber. So war denn auch das Programm getränkt mit schwingenden Fahnen auf der Leinwand und Rückblicken auf Helden - von Abraham Lincoln bis hin zu McCain.

Dem Kandidaten selbst kam es, so räumten Wahlkampf-Mitarbeiter schon im Vorfeld hinter den Kulissen ein, vor allem auf eines an: Bushs unvermeidliche Rede unbeschadet zu überstehen, um sich dann sozusagen von Altlasten befreit im Wahlkampf wieder als jener Freidenker zu präsentieren, als der er über lange Jahre galt. Dabei kam der Wirbelsturm "Gustav" McCain im Lavieren zwischen der Akzeptanz als prinzipientreuer Konservativer auf der einen und als Querdenker auf der anderen Seite entgegen. Er verbannte Bush Junior auf den Bildschirm: Keine Gefahr von Familienfotos auf dem Parteitag, die sich in der nun beginnenden heißen Wahlkampfphase schädlich für McCain auswirken könnten.

Aber Familienfotos wird es natürlich mit Sarah Palin geben, McCains Überraschungskandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Alle Parteitagredner stellten sich am Dienstag hinter die junge Gouverneurin aus Alaska, die durch immer neue Enthüllungen in die Schlagzeilen geraten ist - zuletzt durch die Bestätigung, dass ihre minderjährige unverheiratete Tochter schwanger sei. (APA)