Dieser hatte ihr zuvor unterstellt, nicht genügend Erfahrung für den Vize-Posten mitzubringen. Sie bezeichnete ihre frühere Tätigkeit als Bürgermeisterin einer Kleinstadt als verantwortungsvoll. Obama habe dagegen bei seinem Karrierebeginn in Chicago keine wirkliche Verantwortung getragen, argumentierte sie. Zudem bezweifelte sie seine Aufrichtigkeit.

Palin war nach ihrer Nominierung am vergangenen Freitag zunehmend unter Druck geraten. Medien kritisierten ihre angebliche Unerfahrenheit und die Schwangerschaft ihrer 17-jährigen Tochter und berichteten ausführlich über Vorwürfe des Amtsmissbrauchs.

Zu ihren Kritikern in den Medien sagte die fünffache Mutter in ihrer 36 Minuten dauernden Rede: "Hier ist meine Eilmeldung für all diese Berichterstatter: Ich gehe nicht nach Washington, damit sie eine gute Meinung von mir bekommen. Ich gehe nach Washington, um den Menschen in diesem großartigen Land zu dienen." Palin wurde von den Delegierten euphorisch begrüßt. Die Gouverneurin von Alaska hatte sich zwei Tage lang auf ihre Rede vor den Delegierten im Bundesstaat Minnesota vorbereitet.

Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner John McCain nahm Palin gegen den Vorwurf der politischen Unerfahrenheit in Schutz. Als Gouverneurin des rohstoffreichen Staats Alaska sei sie für 20 Prozent der Energievorräte des Landes verantwortlich, sagte er in einem Interview. Das seien gute Voraussetzungen für den Vize-Job.

Im Fernsehen wies auch der Ex-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, den Vorwurf zurück, Palin sei nicht erfahren genug, um im Extremfall das höchste Amt im Staat zu übernehmen. "Ich würde sagen, dass Barack Obama nie eine Stadt verwaltet hat, nie einen Bundesstaat regiert hat, nie eine Behörde geleitet hat, nie eine Militäreinheit geführt hat, nie irgendwas geleitet hat", sagte er über den Kandidaten der Demokraten.

Die Politische Positionen von Sarah Palin:

Umwelt und Klima:

Palin hat in mehreren Interviews klargemacht, dass sie die Erderwärmung nicht als Folge menschlichen Handelns ansieht. Hierin unterscheidet sie sich von Kandidat John McCain, der Maßnahmen zum Klimaschutz fordert. Palin befürwortet Ölbohrungen in geschützten Naturgebieten in den arktischen Regionen ihres Heimatstaats Alaska. Unter ihrer Führung hat die dortige Landesregierung Klage gegen den Beschluss der Regierung in Washington eingereicht, den Eisbären auf die Liste der bedrohten Tierarten zu setzen.

Wirtschaft:

Palin beschreibt sich selbst als finanzpolitisch konservative Republikanerin und überzeugte Befürworterin der freien Marktwirtschaft. In einer Wahlkampfbroschüre von 2006 schrieb sie: "Die freie Marktwirtschaft ermöglicht allen Beteiligten den Wettbewerb und stellt dadurch sicher, dass die besten und effizientesten Projekte umgesetzt werden. Sie sichert einen fairen und demokratischen Prozess." Als Gouverneurin von Alaska hat sie sich durch strenge Sparpolitik profiliert.

Abtreibung:

Palin tritt für ein weitreichendes Verbot der Abtreibung ein. Sie will sie nur dann zulassen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. In ihrem Gouverneurswahlkampf 2006 sagte sie: "Egal, welche Fehler wir als Gesellschaft machen: Wir können es nicht zulassen, das Leben Unschuldiger zu beenden." Ihr im April geborenes fünftes Kind, das an Down-Syndrom leidet, bezeichnete sie als "Geschenk Gottes". Obwohl sie die Diagnose schon während der Schwangerschaft kannte, dachte sie nach eigenen Angaben nie an einen Abruch.

Bildung:

Palin hat sich mehrfach klar gegen Sexualkundeunterricht in Schulen ausgesprochen. Sie befürwortet stattdessen Aufrufe zur Enthaltsamkeit bis zur Ehe. Zudem will sie, dass neben der Evolutionstheorie an Schulen gleichwertig die biblische Schöpfungsgeschichte unterrichtet wird. "Man muss beides lehren", sagte sie in einem Zeitungsinterview. "Eine gesunde Debatte ist wichtig und wertvoll in unseren Schulen."

Waffen:

Palin tritt gegen Beschränkungen des Rechts auf Waffenbesitz ein und ist Mitglied der einflussreichen konservativen Waffenlobby NRA. Sie selbst ist Jägerin. In einem Interview mit "USA Today" berichtete sie 2006, ihre Tiefkühltruhe sei "voll mit Wildfleisch, das wir hier in Alaska geschossen haben". Palin begrüßte das jüngste Urteil des Obersten Gerichts zum Waffenbesitz: Die Richter hoben darin das seit 32 Jahren gültige weitreichende Verbot von Feuerwaffen in der Stadt Washington DC als verfassungswidrig auf.(APA/AFP)