4. November würde die Probleme und den Richtungsstreit der Partei nicht lösen und allenfalls kurzfristig wirken.

Vor vier Jahren kamen die Delegierten voller Zuversicht nach New York und nominierten Bush für eine zweite Amtszeit. Im Repräsentantenhaus und im Senat bauten die Republikaner 2004 ihre Mehrheit aus. Und die Demokraten fragten sich verzweifelt, wie lange es noch dauern wird, bis sie wieder die Mehrheit im Kongress zurückerobern.

Heute scheint es, als hätten die Republikaner ihre Identität verloren. Bushs Popularitätswerte sind im Keller, die Kongresswahl vor zwei Jahren ging verloren. Auch bei den Wahlen in diesem Jahr rechnen die Republikaner mit weiteren Mandatsverlusten im Kongress. In den meisten Umfragen liegt McCain hinter seinem demokratischen Rivalen Barack Obama zurück, auch wenn er zuletzt beträchtlich aufschließen konnte.

Und jetzt dreht sich auch der Wind gegen die Republikaner: Wegen des Hurrikans "Gustav" wurde der Auftakt des Parteitags stark verkürzt.

"Für die Republikaner wird es noch schlimmer kommen, ehe es wieder aufwärts geht", befürchtet Richard Armey, ein früherer Fraktionsvorsitzender der Partei im Repräsentantenhaus. "Ich glaube, sie werden bei den Wahlen im Herbst eine herbe Niederlage erleiden". Führende Republikaner sagen in Interviews, dass die Partei die Orientierung verloren habe. Die Wähler hätten registriert, dass unter einer republikanischen Regierung die Ausgaben und das Haushaltsdefizit explosionsartig angewachsen seien.

Auch in anderen Bereichen gibt es Probleme: Jahrelang holten gesellschaftspolitisch äußerst konservativ eingestellte Gruppen vor allem aus dem Bereich der religiösen Rechten Stimmen für die Partei und waren die treibende Kraft im Widerstand gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen. Vielen gemäßigten Wählern geht dies mittlerweile zu weit.

Die gesellschaftspolitisch Konservativen spielen immer noch eine bedeutende Rolle in der Partei - die Nominierung von McCains Vizekandidatin Sarah Palin zollt dem Tribut. Aber "diese Gruppen liefern keine Mehrheiten mehr ab", sagt der Abgeordnete Tom Davis aus Virginia, der als anerkannter Stratege in der Partei gilt.