Legende sind die Geschichten über Bidens zuweilen aufflammenden Jähzorn. Auch bei Obama musste sich Biden im Frühjahr entschuldigen; Obama sei der "erste Mainstream-Afroamerikaner, der sich gut ausdrückt, intelligent und sauber ist und gut aussieht", hatte Biden locker formuliert - und viele Schwarze in den USA damit empört.

Als Biden noch Präsidentschaftsbewerber war, fragte ihn ein TV-Moderator bei einer Debatte, ob er denn die Disziplin aufbringen könne, um nicht ein Präsident der peinlichen Ausrutscher zu werden. Der weißhaarige, distinguierte Senator antworte lächelnd: "Ja!" - und sagte kein weiteres Wort dazu. Selbst damit brachte Biden das politische Amerika zum Lachen.

Der 65-jährige Biden, der schon mehr als die Hälfte seines Lebens Senator in Washington ist - er wurde 1973 erstmals in den Senat gewählt und ist damit einer der dienstältesten Senatoren -, ist wie Obama ein Gegner des Irakkriegs. Allerdings stimmte er 2002 für die Genehmigung des Waffengangs gegen Saddam Hussein. Später wurde er ein scharfer Kritiker der Politik von Präsident George W. Bush. Zeitweise plädierte er für die Teilung des Iraks zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden.

Biden wird die Unerfahrenheit des 47-jährigen Obamas insbesondere auf sicherheits- und außenpolitischem Feld ausgleichen können. Allerdings steht er kaum für die Kernbotschaft Obamas: "Wandel für Amerika" und einen neuen Politikstil in Washington. Biden ist ein wirklich alter Hase im politischen Raumschiff Washingtons.

Über Obama hatte Biden zu Beginn des Wahlkampfs gesagt, der Senator aus Illinois sei wegen seiner Jugend und Unerfahrenheit noch nicht bereit dazu, Präsident zu werden - nun will er selbst seinen Beitrag dazu leisten, Obamas Schwäche auszugleichen.