Barack Obama. Foto: ap
Barack Obama. Foto: ap

Wie die "Washington Post" am Sonntag berichtete, will er für die Wahl am 4. November so etwas wie eine "neue politische Geografie" schaffen. Im Klartext: Die Republikaner sollen selbst in ihren Hochburgen herausgefordert werden - Rekord-Wahlkampfspenden scheinen Obama derzeit alles zu ermöglichen.

Die Strategie Obamas ist geradezu revolutionär und verspricht eine noch nie dagewesene Materialschlacht: Er will seinen Gegner John McCain selbst in solchen Bundesstaaten angreifen, in denen die Republikaner seit Jahrzehnten die Oberhand haben - darunter etwa North Carolina, Missouri und Virginia. Statt den Wahlkampf wie üblich auf einige Schlüsselstaaten, die abwechselnd für die Republikaner oder Demokraten stimmen ("swing states"), zu konzentrieren, greift Obama auf breiter Front an - in allen 50 Bundesstaaten. "Er schickt bezahlte Vollzeit-Wahlhelfer in alle Bundesstaaten", berichten Experten der "New York Times" mit Staunen. "Ein ungewöhnlicher Zug in modernen Präsidentschaftskampagnen."

Das Raffinierte der Strategie: Das Obama-Team, rechnet dabei nicht unbedingt damit, am Wahltag in vielen republikanischen Hochburgen tatsächlich den Sieg zu schaffen. Ziel sei es vielmehr, den 71-jährigen McCain unter Druck zu setzen "und dazu zu zwingen, Zeit und Geld in diese Regionen zu investieren".

Die entscheidende Voraussetzung für diese Strategie ist der dramatische finanzielle Vorsprung Obamas. Sein Budget dürfte aufgrund der riesigen Zahl von privaten Kleinspenden 300 Millionen Dollar (190 Mio. Euro) übersteigen, McCain beschränkt sich dagegen auf die öffentlichen Zuwendungen in Höhe von 81 Millionen.

Mit der Europa-Reise will Obama das Image des außenpolitisch Unerfahrenen abstreifen. Schließlich will McCain, der Vietnam-Veteran, sich als Außen- und Sicherheitsexperte profilieren. Es ist daher zu erwarten, dass der charismatische Obama in Berlin durchaus mit Härte auftritt. Schon vor ein paar Monaten hatte er einmal mit Blick auf Berlin gewarnt, es sei nicht akzeptabel, dass die USA und Großbritannien in Afghanistan "die Drecksarbeit machen".