Bei den letzten beiden Vorwahlen gewann Obama am Dienstag in Montana mit 56 Prozent der Stimmen. In South Dakota lag dagegen Clinton mit 55 Prozent vorn. Den Ausschlag für die Entscheidung gaben aber die "Superdelegierten". Das sind hohe Parteifunktionäre, die in ihrem Stimmverhalten nicht an Weisungen gebunden sind. Nach Wahlschluss gaben weitere Superdelegierte ihre Entscheidung für Obama bekannt, um der Partei weiteren quälenden Streit zu ersparen - unter ihnen Ex-Präsident Jimmy Carter. Damit sicherte sich Obama bis Mittwoch nach einer Zählung des Senders CNN 2156 Delegiertenstimmen. Clinton würde demnach 1923 Stimmen erhalten. Offiziell bestimmen die Demokraten auf einem Nominierungsparteitag Ende August in Denver (US-Bundesstaat Colorado) ihren Präsidentschaftskandidaten.

Obama erklärte vor 17.000 jubelnden Anhängern in St. Paul (US-Staat Minnesota): "Heute Abend kann ich vor Euch treten und Euch sagen, dass ich der Kandidat der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl sein werde." In einer leidenschaftlichen Rede rief der Senator von Illinois - Sohn eines Kenianers und einer weißen Amerikanerin - zum politischen Wandel in den USA auf. "Dies ist unsere Zeit, dies ist unsere Chance, eine neue Seite aufzuschlagen", sagte er.

Konkurrentin Clinton gab sich zunächst noch nicht offiziell geschlagen. Sie sagte in New York: "Ich werde mich mit Unterstützern und der Parteiführung beraten, wie es weitergeht." Vor ihren Anhängern betonte die frühere First Lady: "Die fast 18 Millionen Menschen, die für mich gestimmt haben, müssen gehört und gesehen werden."

Obama rief eindringlich zur Einheit der Partei auf und lobte in seiner Rede Clinton. "Lasst uns beginnen, zusammen zu arbeiten und uns zu einen, um gemeinsam die Zukunft Amerikas zu verändern", sagte Obama. Er gratulierte Clinton zu der "Art und Weise, wie sie diese Wahlkampagne geführt hat". Sie sei eine "politische Führerin, die Millionen von Amerikaner inspiriert".

Die Diskussion bei den US-Demokraten konzentrierte sich am Wahlabend zunehmend auf eine mögliche gemeinsame Kandidatur von Obama und Clinton.

Hillary als Vize?

Bei Beratungen mit Parlamentariern aus New York habe Clinton am Dienstag gesagt, sie sei "offen für den Vizeposten", hieß es in der Kongressdelegation des Bundesstaats New York, den Clinton im Senat vertritt. In den Beratungen habe sie "ziemlich klar" gemacht, dass sie zu einer Kandidatur an der Seite Obamas bereit wäre, wenn dies der Demokratischen Partei nutzen würde. Anhänger Obamas sehen eine Vizepräsidentschaft Clintons jedoch äußerst skeptisch, weil sie einen zu großen Einfluss durch ihren Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, fürchten.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain erklärte seinerseits den Wahlkampf gegen Obama am Dienstagabend für eröffnet. Die Wahl im November werde eine Richtungsentscheidung, sagte McCain. "Wir haben die Wahl zwischen dem richtigen Wandel und dem falschen Wandel", sagte der 71-jährige Senator von Arizona vor Anhängern in New Orleans in Anspielung auf Obamas Slogan.