Es darf mit härtesten Bandagen gerechnet werden. Präsident George W. Bush brach mit jahrzehntealten US-Gepflogenheiten, nach denen Innenpolitik bei Auslandsreisen tabu ist, als er vergangene Woche vor dem israelischen Parlament Verhandlungen mit "Terroristen und Radikalen" mit der Beschwichtigungs-Politik gegenüber Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg verglich. Kaum jemand zweifelte daran, dass das Ziel der Attacke Obama war, der als Präsident zu direkten Gesprächen mit der Regierung des Irans bereit wäre.

Gerade bei der Sicherheitspolitik sehen die Republikaner im Ringen mit dem Senator aus Illinois ihre große Chance. McCains Unterstützung für den höchst unpopulären Irak-Krieg und seine selbst eingestandene Schwäche bei Wirtschaftsthemen gelten dagegen wahltaktisch als Minuspunkte.

"Das amerikanische Volk hat allen Grund zu zweifeln, ob er die Stärke, die Urteilsfähigkeit und die Entschlossenheit besitzt, für unsere Sicherheit zu sorgen", gab McCain das Motto gegen Obama vor. Der Demokrat nahm die Attacke auf und drosch freudig auf die Außenpolitik der Bush-Regierung inklusive Irak-Krieg ein.

Schon wühlen die republikanischen Wahlstrategen kräftig in Obamas Vergangenheit, um auch anderweitig einen Angriffspunkt zu finden. Hilfreich scheint ihnen nach einem Bericht des US-Magazins "Newsweek" das vier Jahre alte Dossier eines konservativen Widersachers, das noch aus dem Rennen um den Senat von Illinois stammt. Darin werde der Demokrat als "Freund eines Schmusekurses mit Sexverbrechern" und "schändlich weich bei Kriminalität und Drogen" bezeichnet.

Doch schließen selbst die politischen Gegner des schwarzen Senators nicht aus, dass eine allzu brutale Schlammschlacht auch zum Bumerang werden könnte. Die Republikaner sind landesweit im Ansehen tief gesunken, mancherorts herrscht unter Konservativen blanke Panik. In den vergangenen Wochen verloren sie bei drei Nachwahlen zum Abgeordnetenhaus in Louisiana, Illinois und Mississippi Sitze, die als bombensicher galten.

Noch sind die Vorwahlen der Demokraten nicht vorbei, am Dienstag wurde in den Staaten Kentucky und Oregon gewählt. Doch um Hillary Clinton ist es in den US-Medien bereits sehr ruhig geworden. Am Wochenende beherrschte bereits der außenpolitische Schlagabtausch zwischen Obama und McCain die Sender und Schlagzeilen.