Nach den Wählern haben die demokratischen Superdelegierten die Qual der Wahl. Foto: reuters/Kevin Lamarque
Nach den Wählern haben die demokratischen Superdelegierten die Qual der Wahl. Foto: reuters/Kevin Lamarque

Nie waren sie so wertvoll wie heute. Noch vor Monaten wussten auch viele Amerikaner nicht einmal, dass es sie gibt. Nun sind sie zum Mittelpunkt der demokratischen Vorwahlschlacht geworden und so heiß begehrt wie ein Kronjuwel: die Superdelegierten, jene nicht an die Vorwahlergebnisse gebundenen Demokraten, ohne deren Stimme im erbitterten Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama nichts mehr geht.

Schon seit langem ist das Buhlen um die Superdelegierten im Gange, seit feststeht, dass weder der schwarze Senator Barack Obama noch seine Rivalin Hillary Clinton im Zuge der Vorwahlen die magische Zahl von 2025 Delegiertenstimmen auf dem Nominierungsparteitag Ende August erreichen können.

Fluch des Systems der Demokraten

Das hat sich auch durch den satten Sieg Obamas bei der Vorwahl am Dienstag in North Carolina nicht geändert - dank dem Auslesesystem der Partei, das anders als bei den Republikanern nicht dem jeweiligen Vorwahlsieger in einem Staat alle Delegiertenstimmen zuerkennt, sondern sie entsprechend dem Ergebnis verteilt. Ein demokratischer Modus, den inzwischen so manche verfluchen, weil er ihnen diesen quälend langen Vorwahlkampf zwischen Obama und Clinton beschert hat.

So werden sie also nun zum Zünglein an der Waage, die 786 Superdelegierten, wie zuletzt 1984, als sie den Sieg Walter Mondales über Gary Hart besiegelten. "Erfunden" wurden sie zwei Jahre nach der verlorenen Präsidentenwahl 1980, um dem politischen Establishment eine größere Rolle bei der Kandidatenkür zu geben. Es sind zumeist derzeitige oder frühere Funktionäre und Amtsträger, von der Parteiführung der Demokraten ernannt, um erfahrenen Demokraten eine größere Rolle bei der Kandidatenkür zu geben.

Ein großer Teil der Superdelegierten hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten bereits festgelegt, nur etwa 170 gelten noch als unentschieden. Und zur Überraschung vieler profitierte Hillary Clinton bisher bei weitem nicht so stark von den langjährigen Clinton´schen Beziehungen zur Parteiführung und gewählten Amtsträgern wie erwartet. Am Mittwoch hatte sie nur 14 Stimmen Vorsprung bei den Superdelegierten, sogar nach den jüngsten Turbulenzen für Obama um dessen radikalen Ex-Pastor Jeremiah Wright schlugen sich mit rund zwei Dutzend Angehörigen der wertvollen Spezies fast doppelt so viele auf seine Seite wie auf die von Clinton.

"Es sieht nicht gut aus", zitierten US-Medien am Mittwoch enttäuschte Wahlkampfhelfer der Ex-First Lady. Sie hatte bisher "Super-delegierte" vor allem mit dem Argument zu überzeugen versucht, dass sie die besseren Erfolgschancen im Präsidentschaftswahlkampf gegen den Republikaner John McCain haben werde als Obama. Aber ob das nach dem überzeugenden Erfolg ihres Kontrahenten in North Carolina noch zieht, halten viele Experten für fraglich.

Schon seit längerem haben sich Obama und Clinton pro Woche mehrere Stunden dafür reserviert, um unentschiedene "Super-delegierte" persönlich anzurufen. Reicht die Zeit nicht, erledigen Verwandte, Freunde oder Wahlkampfhelfer das Geschäft. Die Parteiführung dringt darauf, dass sich die "Super-delegierten" spätestens nach dem 3. Juni entscheiden, dem Tag der letzten Vorwahl. Und so lange, das befürchten Experten, werden manche von ihnen auch warten.