"Das Blatt hat sich gewendet", sagte Clinton am Dienstagabend vor jubelnden Anhängern in Philadelphia. "Einige haben mich ausgezählt und mir gesagt, ich solle aufgeben. Aber das amerikanische Volk gibt nicht auf. Und es verdient einen Präsidenten, der auch nicht aufgibt." Jetzt gebe es die Hoffnung, dass zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Frau ins Weiße Haus einziehe, sagte Clinton. "Nach acht Jahren der Regierung von George Bush... dürfen wir keinen Tag verlieren." Sie versprach, die US-Truppen aus dem Irak nach Hause zu holen und die Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Ihr Sieg in Pennsylvania sei umso bedeutender, weil Obama dreimal so viel Wahlkampfspenden wie sie selbst zur Verfügung gehabt habe.

Obama siegessicher

Obama richtete seinen Blick bereits auf die nächste Entscheidung. "Jetzt liegt es an euch in Indiana", sagte Obama am Dienstagabend in Evansville (Indiana). Ohne seine Rivalin beim Namen zu nennen, kritisierte der Senator von Illinois ihren Wahlkampfstil. "Wir können kalkulieren und unsere Positionen in Umfragen testen und allen genau das sagen, was sie hören wollen", erklärte Obama. "Oder wir können die Partei sein, die sich nicht nur darauf konzentriert, wie sie gewinnt, sondern auch darauf, warum wir gewinnen sollten." Und er gab sich siegessicher. "Das Establishment in Washington wird uns bekämpfen." Dennoch sei der Sieg im Herbst und wirklicher politischer Wandel in Washington möglich. "Wir werden nicht nur die Vorwahl gewinnen, wir werden nicht nur im November gewinnen. Wir werden dieses Land verändern und die Welt."

Clinton hatte aus Sicht ihrer Partei in Pennsylvania einen deutlichen Sieg gebraucht, um angesichts ihres Rückstandes bei bisherigen Vorwahlen gegenüber Obama weiter im Rennen zu bleiben. Ein knappes Ergebnis hätte den Druck auf Clinton erhöht, ihre Bewerbung zurückzuziehen.

In der von Sorgen um die Wirtschaft geprägten Wahlentscheidung verdankte Clinton ihren Sieg vor allem den Weißen aus der Arbeiterschaft: Zwei von drei Weißen ohne College-Abschluss entschieden sich nach dem Ergebnis von Wählerumfragen für die New Yorker Senatorin. Ein ähnliches Ergebnis gab es bei Wählern mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 50.000 Dollar (31.400 Euro) im Jahr. Zu Clintons Wählern gehörten auch überproportional viele Katholiken, Gewerkschafter sowie Besitzer von Schusswaffen.

Obama erhielt die Stimmen von 90 Prozent der Schwarzen, die in Pennsylvania aber nur einen Anteil von einem Siebentel der Bevölkerung stellen. Wichtigstes Wahlkampfthema war die Entwicklung der Wirtschaft. Mehr als 80 Prozent der Wähler waren der Auffassung, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden. Bei der Frage nach dem Kandidaten mit der besten Wirtschaftskompetenz hatte Clinton einen leichten Vorsprung vor Obama.

Sieben Staaten offen

Im Anschluss an die Vorwahl in Pennsylvania stehen bei den Demokraten bis zum 3. Juni noch Entscheidungen in sieben Staaten sowie auf den Inseln Puerto Rico und Guam an. Dabei ist Clinton in West Virginia und Kentucky favorisiert, während Obama in North Carolina, Oregon und South Dakota die besten Chancen hat. In den beiden Staaten Indiana und Montana ist noch keine klare Tendenz erkennbar.

In Pennsylvania ging es um 158 Delegiertenstimmen, die nach dem Ergebnis der Vorwahl proportional auf beide Bewerber aufgeteilt werden. Obama hatte zuvor 1.648 Delegierte, Clinton 1.509. In dieser Schätzung sind auch die Stimmen der sogenannten Superdelegierten enthalten, soweit diese sich auf einen der beiden Bewerber festgelegt haben. Die Superdelegierten können beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August frei entscheiden, ohne auf das Ergebnis ihrer Herkunftsstaates festgelegt zu sein. Es gilt mittlerweile als nahezu ausgeschlossen, dass einer der beiden Bewerber vor dem Nominierungsparteitag Ende August in Denver die erforderliche Delegiertenzahl von 2.025 erreichen kann. (APA)