Jorge Ramos: Zwischen 30 und 40 Prozent.

Wie hat sich bei den Demokraten das Duell um die Latinos gestaltet?

Alles ist daran gehangen, ob Hillary Clinton es schafft, diese Stimmen, die ihr zu 60 Prozent zugerechnet wurden, heimzubringen.

Das hat sie geschafft. Dennoch hat Obama bei allen Wählergruppen aufgeholt. Wie konnte er in die Clinton-Domänen einzudringen?

Das ist einfach: Mit Geld. Damit hat er es geschafft, Leute an die Urnen zu bringen, die sonst nie gegangen wären. Er hat auch viel Werbung auf Spanisch gemacht.

Hillary Clinton macht aber auch Werbung auf Spanisch?

Ja, der Unterschied ist, wie gesagt, das Geld, und zwar sehr viel Geld. Daher kann Obama auch mehr Werbung machen.

Woher nimmt Obama eigentlich diesen Reichtum?

Aus dem Internet. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Man darf nicht vergessen, dass er es geschafft hat, die Jüngsten für sich zu begeistern. Bei denen ist die Unterstützung wirklich enorm. Und am meisten nutzen nun einmal die Jungen das Internet. So hat er es geschafft, Abermillionen zu lukrieren. Das ist die moderne Art, Politik zu machen. Es ist nicht mehr nötig, tausend Menschen in einem Hotel in New York bei Hendl und Gemüse zu versammeln, damit sie einen Scheck lockermachen. Das kann man über das Internet abwickeln, und genau das haben Obamas Leute auf außergewöhnliche Art und Weise geschafft.

Clinton hat ihre Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyle entlassen. Hat die Tatsache, dass sie Latina ist, die Stimmung irgendwie beeinflusst?

Nein, die war gar nicht so bekannt unter den Latinos.

Sie haben die Konfrontation zwischen Clinton und Obama in Texas moderiert. Dabei haben Sie Ihre Fragen sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch gestellt. Hat es Sie gestört, dass keiner der beiden auf Spanisch antworten konnte?

Also, es war vorher schon klar, dass keiner von beiden eine andere Sprache spricht. Also haben wir uns auch nicht erwartet, dass sie auf Spanisch antworten. Das Wichtige war, den Kandidaten zu zeigen, dass man in den USA sowohl Englisch als auch Spanisch spricht. Schließlich leben hier mehr als 40 Millionen Menschen, die Spanisch sprechen. Und auf noch etwas wollten wir hinweisen: Dass man ohne die Latinostimmen keine Wahl gewinnen kann. Und ich glaube, das haben wir geschafft.

Keiner der noch verbleibenden Kandidaten spricht Spanisch, auch McCain nicht. Ist das ein Rückschritt gegenüber der Ära Bush?

Ja, aber ich sehe auch einen großen Fortschritt. Die Zahl der Spanischsprachigen in den USA wird laufend größter. Mittlerweile sprechen nur noch in Mexiko mehr Leute Spanisch. Das hat dazu geführt, dass die Kandidaten der spanischsprachigen Presse mehr Interviews gegeben haben, als jemals zuvor in der Geschichte.

Worauf ist die Beliebtheit Clintons bei den Latinos zurückzuführen?

Erstens: Weil man sie gut kennt. Zweitens: Die Leute erinnern sich an die wirtschaftlich gute Zeit unter der Präsidentschaft ihres Mannes Bill Clinton. Drittens: Bill Clinton hat den Freihandelsvertrag zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten unterzeichnet und unterhielt sehr gute Beziehungen zu Mexiko. Viertens: Bill Clinton und seine Frau haben ganz Südamerika bereist.