In der öffentlichen Wahrnehmung käme allerdings bereits eine Niederlage in einem der beiden Staaten für Clinton einem Desaster gleich. US-Medien sprechen von einer wahren "Obama-Mania", die das Land seit der jüngsten Siegesserie des Senators aus Illinois fest im Griff hat. Der 46-Jährige reitet auf einer Welle des Erfolgs und der Sympathie, die Clinton in den vergangenen Tagen vergebens zum Einsturz zu bringen versuchte. Nachdem die versöhnliche Tour nichts brachte, schlug sie aggressivere Töne an - doch auch die prallten von Obama ab.

Die ehemalige First Lady braucht deshalb dringend vorzeigbare, echte Erfolge - und sie hofft dabei vor allem auf Texas. Dort geht es um 228 Delegiertenstimmen, von denen etwas mehr als die Hälfte am Dienstag vergeben wird. Vor allem Hispanics, die ein Drittel aller Wähler stellen könnten, sowie Frauen und Ältere sollen es für Clinton richten. Doch Obama machte ihr in all diesen Kategorien zuletzt Wähler abspenstig. Zudem darf er sich Vorteile in den Großstädten ausrechnen, wie etwa in Houston. Hier leben viele Schwarze, besser Gebildete und Studenten, die die Obama-Hochburgen ausmachen.

Der Schlüssel zum Erfolg könnte die Wählermobilisierung sein, weshalb beide Rivalen den nach Alaska zweitgrößten US-Staat seit Wochen mit einem Heer von Helfern überziehen. Allein Obama hat nach Angaben seines Kampagnenchefs in Texas mehr als 125.000 Freiwillige im Einsatz. Die Strategie scheint sich auszuzahlen. Experten zufolge ist gerade in den Großstädten mit einer bis zu zehnmal höheren Wahlbeteiligung als bei den Vorwahlen vor vier Jahren zu rechnen. "Obama könnte damit auf einen Sieg zusteuern", sagt der Politologe Cal Jillson.

Während es in Texas um Fragen wie Einwandererrechte geht, steht in Ohio die Angst vor einer Rezession im Mittelpunkt. Wo einst vor allem Zulieferer für die im benachbarten Michigan ansässigen Autohersteller für eine florierende Wirtschaft sorgten, zeugen heute leerstehende Fabriken, eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote und die höchste Rate von Eigenheim-Zwangsversteigerungen vom Niedergang. Beide Bewerber punkteten bei der gebeutelten Arbeiterklasse mit der Ankündigung, Freihandelsverträge neu zu verhandeln, die zur Verlagerung von Jobs ins Ausland beigetragen hätten.

Clinton steht nicht zum ersten Mal mit dem Rücken zur Wand. Schon beim Auftakt des Vorwahlmarathons vor zwei Monaten sah es nach ihrer Niederlage in Iowa schlecht aus. Doch in New Hampshire gelang ihr entgegen aller Vorhersagen ein klares Comeback. Einige Beobachter führten das auf einen überraschenden Gefühlsausbruch zurück, mit dem sie ihr Negativ-Image als kühle Karrieristin glattbügelte.

Jetzt setzt die Senatorin aus New York verstärkt auf ihre Jahrzehnte lange politische Erfahrung. Ob ihr das gegen Obamas Botschaft der Hoffnung und des Wandels einen entscheidenden Vorteil bringt, ist fraglich. Fest steht, dass beide weit von den 2025 Delegiertenstimmen entfernt sind, die sie für eine Nominierung brauchen. Sollten die Vorwahlen in Texas und Ohio sowie den kleineren Staaten Rhode Island und Vermont knapp ausgehen, wie es Umfragen derzeit nahelegen, dürfte sich zumindest auf dem Papier nicht viel ändern - und der Vorwahlkampf spannend bleiben.

Bei den Republikanern sind die Würfel hingegen gefallen. Senator John McCain liegt praktisch uneinholbar vor Mike Huckabee. Der 71-Jährige wird wohl für seine Partei in die eigentliche Präsidentschaftswahl Anfang November ziehen.