Entsprechend gibt es bereits jetzt Spekulationen, ob sich bei den Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton gut ergänzen würden. Zusammen würden sie als der erste Schwarze und die erste Frau an der Spitze des Staates eine hohe Anziehungskraft haben. Allerdings ist der Tonfall zwischen ihnen nach den ersten Vorwahlen schärfer geworden. Sollte ihre Duell zu heftig werden, könnte John Edwards die Aufgabe übernehmen - wie er es schon in der vergangenen Wahl für John Kerry tat. Josef Braml, USA-Experte von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sagte jüngst Reuters, bei den Republikanern könne Mike Huckabee gut zu John McCain passen.

Der Vizepräsident ist laut Verfassung der Ersatzmann des Präsidenten. Acht Mal stiegen Veeps nach dem Tod ihrer Vorgesetzten auf. Oft waren das Schicksalsmomente für die USA. Als der große Staatsmann Abraham Lincoln getötet wurde, übernahm Andrew Johnson seinen Platz. Er war den Herausforderungen des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg aber nicht gewachsen. Harry Truman erfuhr erst nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt von dem Atombomben-Programm und der Entscheidung, die er würde treffen müssen. Und es war der weniger charismatische, aber in der Alltagspolitik gewiefte Lyndon B. Johnson, der viele von John F. Kennedys Visionen erst verwirklichte.

Zwar ist der Vizepräsident auch formell der Vorsitzende des Senats. Dort darf er aber nur bei einem Patt mit abstimmen. Seine tatsächliche Macht hängt davon ab, wie viel ihm der Präsident gibt. Früher nahm der Vize nicht einmal an Sitzungen des Kabinetts teil. Roosevelts erstem Stellvertreter John Nance Garner wird der Spruch zugeschrieben, das Amt sei "nicht einen Eimer warmer Spucke wert". Das andere Extrem bildet der jetzige Inhaber Dick Cheney, der wohl mächtigste Vizepräsident bisher. Bezeichnend ist dabei, dass Cheney alle Ambitionen auf die Präsidentschaft von sich weist. Nur so, hat er erklärt, sei die reibungslose Zusammenarbeit möglich.

Die Chemie zwischen den - bisher ausschließlich - zwei Männern ist ein wichtiges Kriterium, nach dem der Kandidat für die Präsidentschaft seinen "running mate" aussucht. Formell entscheiden die Nominierungsparteitage im Sommer, wer dem Hoffnungsträger an die Seite gestellt wird. Bei den vergangenen Wahlkämpfen folgten die Delegierten jedoch dem Wunsch des Präsidentschaftskandidaten.