In den nächsten sechs Tagen könnte bereits eine erste Vorentscheidung fallen. Denn Iowa und New Hampshire, das fünf Tage später wählt, werden gemeinhin als Trendsetter gesehen. Wer diese Staaten gewinnen kann, dem fliegen nicht nur die Sympathien der Wähler zu, sondern vor allem auch Medien und Wahlkampfspenden.

Jemand, der sich um diese Logik überhaupt nicht zu scheren scheint, ist der republikanische Umfragenstar, New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani. Er ließ die früh wählenden Staaten links liegen und konzentrierte sich auf den Super-Dienstag, den 5. Februar. An diesem Tag wählt fast die Hälfte der Bundesstaaten, darunter auch die stimmgewichtigsten, Kalifornien und New York, die schon gemeinsam fast ein Sechstel des gesamten Elektorats stellen.

Zwar sieht es nicht danach aus, dass einer seiner Konkurrenten sowohl Iowa als auch New Hampshire gewinnt. Doch ist Giuliani derzeit beim Wahlauftakt dermaßen abgeschlagen, dass er teilweise einstelligen Stimmanteilen entgegensieht. Das könnte für ihn den (medialen) Untergang bedeuten, sollte es zu einem Zweikampf der beiden Aufsteiger Mitt Romney und Mike Huckabee kommen. Huckabee ist der neue Star unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern. Mit Humor und kantigen Sprüchen erobert der Baptistenprediger die Herzen der religiös-konservativen Wählerschaft. Mit 52 Jahren ist er der jüngste republikanische Kandidat und verfügt mit zwei Millionen Dollar Wahlkampfbudget gerade einmal über ein 30stel von Giulianis Kriegskasse. Huckabee stammt vom selben Parteiflügel wie Pastor Romney, hat im Gegensatz zu diesem jedoch nicht den Nachteil, Mormone zu sein, eine Religion, die vor allem evangelikalen Amerikanern suspekt ist.

Effizienz oder Wandel

Während sich auf republikanischer Seite noch kein Kandidat vom Hauptfeld abgesetzt hat, ist das bei den Demokraten gleich zweien gelungen. Noch vor ein paar Wochen befand sich Hillary Clinton allein auf Siegeskurs. Das Weiße Haus kennt sie bereits aus ihrer Zeit als First Lady von Ex-Präsident Bill Clinton. Und genau das spielt sie aus, präsentiert sich stets staatstragend und als jemand, der das Spiel der großen Politik bereits perfekt beherrscht. Wird Clinton Präsidentin, könnte sie die bereits seit 20 Jahren andauernde Epoche, in der ausschließlich ein Bush oder ein Clinton Präsident der USA war, um weitere acht Jahre verlängern.

Genau das nützt ihr Rivale Barrack Obama für sich. Er ist der Kandidat gegen das Establishment und präsentiert sich als Vertreter einer neuen Generation. Mit seinem Aufstieg büßt die ehemalige First Lady an Popularität ein. Laut Umfragen dürfte Obama in Iowa sogar gewinnen. Sein Erfolg zwingt Clinton anzugreifen, wodurch diese die Souveränität verliert, mit der sie früher gepunktet hat. Das Rennen reduziert sich bei den Demokraten somit auf die Konfrontation Effizienz gegen Wandel beziehungsweise die Frage: Wird erstmals eine Frau oder erstmals ein Schwarzer Präsident der USA?